**Kapitel 10**
Im Mai 1997 folgte die siebte gemeinsame Reise. Diesmal sollte Edward einem Kunden in Monaco eine Short-Idee vorstellen, die im Wesentlichen auf Hugos Analyse beruhte. Monaco allerdings kannte Hugo noch nicht.
Bis dahin hatte Monaco für ihn nur aus Namen, Bildern und den beiläufigen Bemerkungen reicher Kunden bestanden. Er erwartete eine überteuerte Kulisse für Menschen, die gesehen werden wollten. Dass dieser Ort später einmal mehr für ihn bedeuten könnte, kam ihm nicht in den Sinn.
Am frühen Nachmittag erreichten sie das Hôtel Hermitage. Edward hatte für sie zwei normale Zimmer reservieren lassen, keine Suiten, keine besondere Behandlung. Sie brachten ihre Sachen hinauf und trafen sich wenig später wieder auf der Terrasse.
Hugo trat an die Brüstung und blieb stehen. Direkt unter ihm lag der Port Hercule, dicht gefüllt mit Yachten, deren Masten sich im Wind neigten. Auf der anderen Seite des Hafens erhob sich der Felsen von Monaco mit dem Fürstenpalast.
Der Blick gefiel ihm. Es war nicht nur die Schönheit. Es war die Ordnung. Alles schien seinen Platz zu haben, alles war berechnet, nichts wuchs einfach so. Selbst der Hafen wirkte wie ein Schaufenster, in dem selbst die Boote ausgestellt waren. Hugo spürte, wie sich etwas in seiner Brust aufrichtete, ohne dass er es hätte erklären können. Es war nicht Begeisterung. Es war eher das Gefühl, ein Möbelstück zu sehen, das noch nicht seines war, aber zu seiner Wohnung passen würde.
Edward stellte sich neben ihn.
„Nicht schlecht, oder?"
Hugo nickte. „Nein. Wirklich nicht."
Sie tranken etwas, dann machten sie sich zu Fuß auf den Weg. Eigentlich wollte Edward ihm Monaco zeigen, gleichzeitig nutzten sie den Spaziergang, um den Pitch für den Abend noch einmal durchzugehen. Vom Hôtel Hermitage gingen sie hinüber zum Hôtel de Paris, dann weiter Richtung Meer. Während sie liefen, ging Edward mit Hugo die Zahlen durch. Er stellte Fragen, unterbrach ihn mitten im Satz, ließ ihn einzelne Argumente neu formulieren, zwang ihn, die gleiche Überlegung aus einem anderen Winkel zu erklären. Hugo antwortete, korrigierte sich selbst, begann von vorn. Das ständige Nachfragen irritierte ihn nicht mehr. Er wusste inzwischen, dass Edward nicht Zweifel an ihm hatte, sondern Zweifel an der Formulierung, und Formulierungen waren es, an denen am Abend alles hing.
Irgendwann grinste Edward.
„Bist du eigentlich schon mal durch ein ganzes Land gelaufen?"
Hugo sah ihn an. „Nein."
„Dann wird es heute Zeit."
Von der Küste aus führte Edward ihn quer durch Monaco nach oben. Die Strecke ging dabei keineswegs einfach nur bergauf. Immer wieder stiegen sie ein Stück hinauf, liefen wieder hinunter, bogen ab, nahmen Treppen, Rampen und Straßen, die sich in Kurven durch die verschiedenen Ebenen der Stadt zogen.
Hugo dagegen merkte zunehmend, wie sehr ihn dieses ständige Auf und Ab nervte. Er war es gewohnt, dass Städte sich horizontal ausbreiteten, nicht vertikal. Hamburg lag breit, Frankfurt dicht, aber beide liefen sich letztlich auf einer Ebene ab. Hier nicht. Jedes Mal, wenn er glaubte, sie hätten den höchsten Punkt erreicht, ging es wieder hinunter, und dann noch einmal hinauf. Es war wie ein Labyrinth, in dem jemand die Wände ständig verschob. Er spürte, wie ihm der Schweiß in den Nacken lief, während Edward nebenherging, als wäre das hier ein Spazierweg durch einen Park. Hugos Unmut wuchs mit jeder Treppe. Er sagte nichts, aber sein Schweigen wurde dichter.
Erst als sie schließlich weit oben auf der anderen Seite angekommen waren, blieb Edward stehen und sah ihn grinsend an.
„Siehst du."
Hugo blickte ihn fragend an.
„Gerade ein ganzes Land durchlaufen. Vom Meer bis hier hoch."
Hugo musste lachen, trotz seiner Erschöpfung. Der Gedanke war absurd genug, um wahr zu sein.
Edward klopfte ihm auf die Schulter. „Kann auch nicht jeder von sich behaupten."
Hugo hatte den Rundgang durchaus interessant gefunden. Richtig begeistert war er von Monaco trotzdem nicht.
„Ist das hier eigentlich irgendwo auch mal gerade?", fragte er irgendwann.
Edward lachte. „Warte ab. Ich zeige dir nachher Fontvieille."
Und tatsächlich änderte sich sein Eindruck dort beinahe sofort.
Fontvieille lag viel flacher als das alte Monaco. Rund um den Hafen gab es Restaurants, Geschäfte und das Einkaufszentrum. Plötzlich musste Hugo nicht mehr ständig irgendwo hinauf oder hinunter. Alles wirkte überschaubarer, praktischer, fast wie eine eigene kleine Stadt innerhalb Monacos.
Das gefiel ihm. Er atmete auf, als hätte er stundenlang einen Koffer getragen und ihn endlich absetzen dürfen. Hier konnte man sich orientieren. Hier konnte man planen. Und während er das dachte, merkte er, dass es ihm hier nicht nur gefiel. Es tat etwas mit ihm, das ihm selbst unheimlich war: Es gab ihm das Gefühl, dass ein Leben denkbar war, in dem er nicht mehr auf etwas wartete.
Zum ersten Mal an diesem Tag betrachtete Hugo Monaco nicht nur als Bühne für fremden Reichtum. Fontvieille löste in ihm eine leise Vorstellung davon aus, wie ein Leben aussehen konnte, das nicht zwischen Bank, Club und einer möblierten Londoner Wohnung stattfand. Er schob den Gedanken sofort beiseite. Noch gehörte er hierher wie ein Besucher, der seinen Rückflug bereits gebucht hatte.
Am Abend nahmen Edward und Hugo ein Taxi. Edward wollte vor dem Essen noch einen kurzen Umweg machen.
„Ich zeige dir, wo wir morgen abfliegen."
Sie fuhren durch die Tunnel hinunter nach Fontvieille. Als sie wieder ins Freie kamen, saß Hugo plötzlich aufrechter. Hier unten öffnete sich alles. Keine engen Straßen mehr, die sich den Hang hinaufzogen, sondern Hafenbecken, breite Wege und dahinter das Mittelmeer.
Der Wagen hielt zunächst in der Nähe des Héliport de Monaco.
Edward deutete hinüber.
„Morgen früh. Von hier."
Hugo betrachtete die Anlage. Die Betonfläche, die Markierungen, das kleine Gebäude am Rand.
„Wir fliegen wirklich mit dem Hubschrauber zurück?"
„Natürlich."
Hugo grinste. Der Hubschrauber war ihm deutlich lieber als der Gedanke, sich wieder durch die Straßen hinauf zum Casino zu bewegen. Und mehr als das: Die Vorstellung, von hier abzuheben, über den Hafen und dem Meer, ließ etwas in ihm vibrieren, das er kannte und nicht mehr kannte. Es war dasselbe Ziehen wie vor einer Kaufentscheidung, nur größer, als hätte es auf dem Weg hierher gegessen.
Danach ließ Edward das Taxi weiterfahren. Sie fuhren bis an die westliche Seite des Hafens, fast bis zur französischen Grenze, und stiegen dort aus.
Von hier gingen sie zu Fuß weiter.
Der Abend war warm. Rechts von ihnen lagen die Boote und Yachten dicht nebeneinander im Hafen, links reihten sich Gebäude und Restaurants aneinander. Weiter vorne öffnete sich der Blick zum Mittelmeer.
Hugo sah sich immer wieder um. Das hier war etwas völlig anderes als das Monaco, das Edward ihm tagsüber gezeigt hatte.
Flach. Wasser direkt neben ihnen. Restaurants am Hafen. Geschäfte in Laufweite. Alles kompakt.
„Das hier gefällt mir", sagte Hugo.
Edward sah ihn von der Seite an. „Fontvieille?"
„Ja. Das andere ist mir zu viel Berg."
Edward lachte.
Je näher sie dem Restaurant kamen, desto lebhafter wurde es. Vor den Restaurants und Hotels standen Ferrari und Porsche in Farben, die man in London wesentlich seltener sah: leuchtendes Rot, kräftiges Blau, Gelb, Grün.
Hugo sah einem roten Ferrari hinterher. Er mochte Autos. Er mochte die Physik eines Motors, die Übersetzung von Kraft in Geschwindigkeit. Aber hier standen sie herum wie Dekoration, und er merkte, dass ihn das störte und faszinierte zugleich.
„Hier versucht aber auch wirklich keiner, unauffällig zu sein."
Edward grinste. „Warum sollte man nach Monaco fahren, um unauffällig zu sein?"
Vor dem Restaurant am Hafen wartete bereits der Mann, mit dem Edward zum Essen verabredet war. Ein Kunde der Bank, den Edward offensichtlich schon lange kannte.
Als die drei das Restaurant betraten, erkannte der Chefkellner Edward und den Kunden sofort. Sein Gesicht hellte sich auf.
„Bonsoir, Monsieur."
Er begrüßte Edward herzlich, dann den Kunden ebenso überschwänglich. Man schüttelte sich die Hände, lachte, wechselte sofort ein paar vertraute Bemerkungen.
Hugo stand daneben.
Zunächst lächelte er noch höflich. Dann wusste er nicht mehr so recht, wohin mit sich. Die drei unterhielten sich, als hätten sie sich erst gestern gesehen. Hugo kannte weder die Leute, über die sie sprachen, noch die Geschichten dahinter. Niemand wollte ihn bewusst ausschließen, trotzdem stand er plötzlich ein Stück hinter Edward und dem Kunden. Er war der Junge, der mitgebracht worden war, nicht der Mann, der eingeladen worden war. Er spürte, wie seine Hände in den Hosentaschen verkrampften, während er versuchte, lässig zu wirken. Sein Lachen blieb an seinem Gaumen kleben. Er hasste es, nicht zu wissen, wo er hingehörte. Und er hasste es noch mehr, wenn andere es merkten.
Erst nach einigen Augenblicken wandte Edward sich zu ihm.
„Ach ja. Hugo Voss."
Der Chefkellner streckte Hugo sofort die Hand entgegen.
„Willkommen, Monsieur Voss."
Damit war der unangenehme Moment vorbei. Aber das Wärmegefühl in seinem Gesicht blieb noch eine Weile.
Der Chefkellner führte sie hinaus auf die Terrasse, unmittelbar an der Straße. Edward und der Kunde gingen nebeneinander voraus, Hugo folgte ihnen.
Der Kunde wandte sich im Gehen zu Hugo um. „Und? Wie gefällt Ihnen Monaco?"
„Fontvieille gefällt mir", sagte Hugo. „Aber der Rest ehrlich gesagt nicht besonders. Dieses ständige Bergauf und Bergab, überall Treppen und Steigungen."
Der Kunde blieb einen Augenblick langsamer und sah Hugo mit einem dünnen Lächeln an.
„Das sollten Sie hier besser nicht so laut sagen."
Hugo blickte ihn fragend an.
„Damit verraten Sie nämlich sofort, dass Sie zum ersten Mal hier sind und keine Ahnung haben, wie man sich in Monaco bewegt."
Edward sah kurz zu ihm herüber, sagte aber nichts.
„In Monaco läuft niemand, der sich auskennt, ständig irgendwelche Treppen hoch und runter", fuhr der Kunde fort. „Dafür gibt es überall Aufzüge, Rolltreppen und Durchgänge zwischen den verschiedenen Ebenen. Sie gehen in ein Gebäude hinein, fahren ein paar Stockwerke und kommen auf einer völlig anderen Straße wieder heraus."
Er musterte Hugo noch einmal.
„Wer sich hier über die Hügel beschwert, ist entweder Tourist oder kennt sich schlicht nicht aus."
Sie gingen weiter.
„Sie sind heute wahrscheinlich durch halb Monaco gelaufen und haben gedacht, die Stadt sei schlecht geplant."
Der Kunde lächelte spöttisch.
„Dabei wussten Sie einfach nur nicht, wo die Aufzüge sind."
Hugo schluckte und sagte nichts. Er spürte, wie ihm warm wurde, und dann wieder kalt. Scham war es nicht, die ihn erwischte. Es war die Erkenntnis, dass er hereingefallen war. Dass er wie ein Kind durch die Stadt gelaufen war, statt zu fragen. Er hasste es, nicht zu wissen. Und er hasste es noch mehr, wenn andere es merkten. Sein Herz schlug schneller, als es die Situation rechtfertigte, und er hasste auch das. Gleichzeitig merkte er sich jedes Wort. Die Aufzüge. Die Durchgänge. Die Ebenen. Er würde es nicht wieder vergessen. Niemand würde ihn hier ein zweites Mal für einen Touristen halten.
Vor ihnen lag der dunkle Hafen, die Lichter der Yachten spiegelten sich in langen goldenen und weißen Streifen auf der Oberfläche. Gegenüber erhob sich der beleuchtete Felsen von Monaco gegen den tiefblauen Nachthimmel.
Hugo blieb für einen Augenblick stehen. Von irgendwo hinter ihnen heulte wieder ein Motor auf. Ein Ferrari schoss draußen an der Straße vorbei.
Edward setzte sich, ohne hinzusehen.
„Irgendwann", sagte er, „hörst du das nicht mehr."
Kaum saßen sie, begann um sie herum eine eingespielte Choreografie. Ein Kellner stellte Wasser und Gläser auf den Tisch, ein zweiter legte Servietten zurecht, ein dritter brachte Brot.
Edward brach sich ein Stück Brot ab.
„Deswegen komme ich her."
Der Kunde lachte. „Wegen des Brotes?"
„Unter anderem."
Dann öffnete sich die Tür zur Terrasse.
Zwei junge Frauen kamen herein.
Beide waren Tschechinnen, Mitte zwanzig, sehr schlank und auffallend zurechtgemacht. Die eine wirkte beinahe abgemagert, allerdings nicht ungepflegt, sondern als wäre diese extreme Schlankheit gewollt. Sie trug ein extrem kurzes Kleid. Die andere war flachbrüstig und trug ein silbernes, mit Pailletten besetztes Minikleid.
Sie blieben kurz stehen und ließen ihre Blicke über die besetzten Tische wandern.
Hugo sah sie sofort. Nicht weil sie die Schönsten waren. Sondern weil sie anders hereinkamen als die anderen Gäste. Nicht auf dem Weg zu einem Tisch. Auf dem Weg zu einer Entscheidung. Ihre Augen scannten den Raum, berechnend, routiniert. Hugo bemerkte, wie sich sein Puls veränderte, noch bevor er verstand, warum. Es war nicht nur ihr Aussehen. Es war die Art, wie sie den Raum betraten, als gehöre er ihnen. Er kannte dieses Selbstverständnis. Er hatte es an Männern gesehen, die in Handelssälen auftraten. Er hatte es nie an Frauen gesehen, und es verwirrte ihn, dass es ihn anzog und verstörte zugleich.
Edward bemerkte sie sofort.
Der Kunde ebenfalls.
„Prostituierte", sagte Edward leise.
Hugo sah ihn an. „Woher willst du das wissen?"
Edward griff nach seinem Weinglas.
„Die kommen hier fast immer zu zweit."
Der Kunde musterte die beiden Frauen noch einmal.
„Edward, die sind ja so jung, die könnten deine Töchter sein."
Edward nahm einen Schluck.
„Sind sie aber nicht."
Er stellte sein Glas ab, stand auf und ging zu ihnen.
Hugo sah ihm nach. Ein Teil von ihm wollte, dass Edward stehen blieb. Ein anderer Teil beobachtete mit aufmerksamem, fast wissenschaftlichem Interesse, wie Edward die beiden Frauen ansprach, was er sagte, wie sie lachten. Hugo spürte, dass er hier etwas über Regeln lernen konnte, und diese Erkenntnis überdeckte für einen Moment alles andere.
Edward sprach vielleicht eine halbe Minute mit den beiden. Eine der Frauen lachte, die andere sah zu ihrem Tisch herüber. Dann kamen alle drei zurück.
Der Chefkellner hatte längst verstanden.
Noch bevor Edward den Tisch erreicht hatte, gab er einem Kellner ein Zeichen.
„Sofort, Monsieur."
Ein weiterer Tisch wurde herangeschoben. Zwei Stühle kamen dazu. Gläser, Besteck und Servietten wurden ergänzt. Niemand fragte etwas, niemand wirkte überrascht. Nach kaum einer Minute sah es aus, als sei der Tisch von Anfang an für fünf Personen gedeckt gewesen.
Die beiden Frauen setzten sich.
Edward sah die beiden an. „Und wie heißt ihr eigentlich?"
„Petra", sagte die erste.
„Petra", wiederholte Edward und lächelte. „Ach, ich liebe diesen Namen."
Die andere musste lachen.
„Und du?"
„Lenka."
„Lenka", wiederholte Edward. „Auch nicht schlecht."
Er stellte ihnen Hugo und den Kunden vor, wobei es wirkte, als würde er zwei Bekannte miteinander bekannt machen und nicht zwei Frauen, die er gerade erst im Restaurant angesprochen hatte.
Hugo beobachtete Petra. Sie setzte sich, und ihr ohnehin extrem kurzes Kleid rutschte noch etwas höher. Hugos Blick fiel auf ihren Slip, blieb einen Moment hängen, dann wanderte er weiter. Er bemerkte, dass Lenka eleganter saß, die Beine überschlug, und dass ihr Kleid dabei verrutschte. Er sah hin. Kein Slip. Vollständig rasiert.
Sein Herzschlag beschleunigte sich. Er spürte Wärme in seinem Gesicht und zwischen den Beinen, und er wusste nicht, wohin mit den Händen. Er blickte wieder auf die beiden Frauen, dann zu Edward und dem Kunden. Irgendetwas stimmte hier nicht.
Hugo zählte noch einmal.
Edward, der Kunde und er. Drei Männer.
Zwei Frauen.
Hugo rechnete kurz nach. Drei Männer, zwei Frauen. Eines war für ihn jedenfalls klar: Mit den beiden Typen hier würde er ganz bestimmt nicht die Schwerter kreuzen.
Er runzelte die Stirn.
„Moment mal. Das passt doch überhaupt nicht."
Edward sah ihn an.
„Was?"
„Das Verhältnis. Zwei Frauen, drei Männer. Da ist doch eine zu wenig."
Edward sah erst Hugo, dann die beiden Frauen an.
„Was willst du eigentlich? Hier sind doch gerade sechs Löcher reingekommen. Das sind zwei für jeden von uns."
Für einen Sekundenbruchteil hörte Hugo das Lachen der anderen nur wie durch Watte. Sein Verstand brauchte einen Moment, um zu begreifen, was Edward gesagt hatte, und noch einen Moment, um zu begreifen, dass es kein Witz war. Ihm wurde heiß. Nicht vor Erregung allein, sondern vor Verlegenheit, weil er der Einzige am Tisch gewesen war, der gerechnet hatte. Weil er der Einzige gewesen war, der nicht automatisch gewusst hatte, worauf er sich eingelassen hatte.
Der Kunde lachte kurz, beugte sich zu Hugo herüber und strich ihm gönnerhaft zweimal über den Kopf.
„Edward, nun lass doch den Knaben."
Die Hand auf seinem Haar. Hugo spürte, wie sich sein Kiefermuskel anspannte. Er lächelte gezwungen.
„Schon gut."
Mehr sagte er nicht. Aber unter dem Tisch presste er die Fingernägel in seine Handflächen, bis die kleinen Halbmonde sich weiß abzeichneten.
Er sah zu den beiden jungen Frauen. Beide saßen da, als wäre an der ganzen Situation nichts Besonderes. Eine von ihnen nahm einen Schluck Wasser, die andere strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte über irgendeine Bemerkung Edwards.
Hugo wusste nicht, was er davon halten sollte. Ein Teil von ihm registrierte die Szene wie eine Beobachtung aus einem fremden Labor. Er war nicht schockiert. Er war neugierig. Er versuchte zu verstehen, welche Regeln hier gespielt wurden, und merkte, dass er sie noch nicht kannte. Aber er wollte sie lernen. Das war das Neue. In Frankfurt hätte er sich abgewandt. Hier beobachtete er. Und während er beobachtete, merkte er, dass seine Verlegenheit langsam einer anderen Spannung wich, einer dunkleren, die er nicht benennen wollte.
Er machte gute Miene, lachte an den richtigen Stellen und ließ den Abend über sich ergehen.
Das Essen zog sich hin. Fleisch wurde gebracht, Wein nachgeschenkt, Teller abgeräumt. Edward und der Kunde redeten über Geschäfte, Märkte, Leute, die Hugo nicht kannte. Immer wieder fielen Namen und Summen, und irgendwann hörte Hugo nur noch halb zu. Seine Gedanken kreisten um die Frauen neben ihm, um ihre Selbstverständlichkeit, um die Frage, was sie dachten, wenn sie ihn ansahen. Ob sie ihm ansahen, dass er hier nicht hingehörte.
Nach einer Weile stand er auf.
„Ich bin kurz auf der Toilette."
Er ging durch das Restaurant nach hinten. Die kühle Luft des Ganges tat gut.
Wenige Sekunden später hörte er Schritte hinter sich.
Eine der beiden Frauen kam denselben Gang entlang.
Hugo blieb kurz stehen.
Sie sah ihn an.
„Alles okay?"
„Ja."
Er zögerte.
„Ich komme später übrigens nicht mit."
Sie sah ihn einen Moment lang an, dann zuckte sie nur leicht mit den Schultern.
„Dann eben nicht. Für uns macht das keinen Unterschied."
Hugo runzelte die Stirn.
„Nicht?"
„Nein. Ob ihr zwei oder drei seid, ist mir egal. Am Ende seid ihr doch sowieso gleichzeitig in einer von uns, und irgendwann wechselt ihr."
Sie sagte es vollkommen ruhig.
„So läuft das eben. Jeder von uns macht, was er machen muss."
Dann ging sie an ihm vorbei.
Hugo blieb stehen.
Sie verschwand hinter der Tür zur Toilette.
Für einen Moment bewegte er sich nicht. Die Gleichgültigkeit, mit der sie gesprochen hatte, beschäftigte ihn mehr als das Gesagte. Er hatte erwartet, dass die Situation ihn abstieß. Stattdessen war da etwas anderes: Die Kühle ihrer Stimme hatte ihn mehr berührt als ihre Nähe. Er wusste, dass er diesen Ton länger vergessen würde als alles andere an diesem Abend. Dann stieß er sich von der Wand ab und ging weiter.
Der nächste Morgen holte das Geschäftliche zurück.
Sie trafen den Kunden in einem Konferenzraum im Hotel. Edward führte das Gespräch, Hugo erklärte die Analyse, die Zahlen, die Überlegungen dahinter. Der Kunde stellte zwei unangenehme Fragen, griff in Hugos Argumentation, suchte nach Lücken. Hugo beantwortete sie sicher, ohne zu zögern, ohne zu überreagieren. Er wusste, dass der Kunde testete, ob der junge Mann, auf dessen Einschätzung er Millionen setzen sollte, auch hinter den Zahlen stand. Hugo spürte, wie sein Mund trocken wurde, und hörte trotzdem seine eigene Stimme ruhig und klar im Raum stehen. Es war, als würde er zwei Menschen gleichzeitig sein: einen, der Angst hatte, und einen, der sprach.
Am Ende lehnte sich der Kunde zurück und sah zu Edward.
„Die Position will ich", sagte er. „Wenn der Junge recht hat, verdienen wir Geld. Wenn nicht, war es meine Entscheidung."
Edward nickte. „Es ist Ihre Entscheidung."
Der Kunde lächelte dünn. „Der Knabe von gestern Abend. Heute weiß er fachlich genau, was er tut."
Hugo spürte, wie sich etwas in ihm straffte. Stolz war es nicht, was ihn durchfuhr. Es war Bestätigung, die härtere Art, die schärfer war als ein Lob. Es war das Gefühl, eine Prüfung bestanden zu haben, von der er nicht gewusst hatte, dass sie stattfand. Der Kunde hatte ihn gestern Abend für einen unerfahrenen Jungen gehalten, der sich über Treppen beschwerte. Heute Morgen war er jemand, auf dessen Wort Millionen gesetzt wurden. Der Unterschied lag nicht in ihm. Er lag in der Macht, die seine Zahlen verliehen. Und trotzdem — irgendwo in seiner Brust war ein kleiner Raum, der sich bei diesen Wärme ausbreitete, ein Raum, der sehr nach dem Jungen roch, der noch immer darauf wartete, dass jemand ihm sagte, dass er es gut gemacht hatte.
Danach fuhren sie zum Héliport. Der Hubschrauber wartete bereits, ein schwarzer Vogel auf dem Beton, die Rotorblätter drehten sich träge. Hugo stieg ein, setzte sich ans Fenster, und als die Maschine abhob, sah er Monaco noch einmal von oben. Die Küste, die Yachten, der Felsen, das Casino. Alles klein, alles überschaubar. Er grinste. Das gefiel ihm. Die Höhe. Die Distanz. Die Kontrolle.
In Nizza stiegen sie um. Der Flug von Nizza nach London dauerte gut zwei Stunden.
Hugo saß am Fenster. Auf dem Sitz neben ihm lag eine Zeitung. Die Stewardess hatte sie beim Start hingelegt, und Hugo hatte sie seitdem nicht ein einziges Mal aufgeschlagen. Sie lag dort, gefaltet, das Papier glatt und kühl, ein Gegenstand aus einer Welt, in der Menschen während eines Flugs Zeitung lasen.
Draußen lag unter dem Flügel das Meer, dann Küste, dann die Alpen, grau und fern. Das Triebwerk summte in einem gleichmäßigen Ton, und die Kabine roch nach Kaffee und nach dem Parfüm der Frau zwei Reihen vor ihm. Alles war ruhig. Alles war normal.
Hugo spürte mit der Zunge eine Stelle an der Innenseite seiner Wange.
Mit der Zunge fuhr er zum hundertsten Mal darüber. Sie brannte noch leicht, wenn er darüberfuhr. Ein Biss, den er sich beim Essen geholt hatte, zwei Tage alt, selbst verschuldet, nichts weiter. Im Restaurant am Yachthafen war er nicht einmal daran zurückgedacht. Jetzt konnte er an nichts anderes mehr denken.
Weil der Biss im Mund war.
Und weil sein Mund an diesem Wochenende überall gewesen war.
Zunächst versuchte er, den Gedanken abzuwehren, so wie man eine fremde Tür zuschließt. Kondom, sagte er sich. Beim Geschlechtsverkehr hatte er ein Kondom benutzt. Er hatte darauf geachtet, wie immer, seit Samenschleuder ihm in Frankfurt beigebracht hatte, dass man ein benutztes Kondom nie einer anderen Person überließ. Für einige Sekunden funktionierte das. Sein Atem wurde ruhiger. Die Stewardess kam mit dem Getränkewagen vorbei, Hugo bestellte ein Wasser, und für die Dauer des Bestellens war die Welt in Ordnung.
Dann kam die Erinnerung an alles, was vor dem Kondom gewesen war.
Er hatte beide Frauen geküsst. Lange. Er hatte beide mit der Zunge befriedigt. Er war mit seinem Mund an ihrem Anus gewesen, an der Brünetten, und sie hatte es ihm entgegengestreckt wie eine Aufforderung, und er hatte gedacht, dass diese Nacht alles enthielt, was er sich in Frankfurt und London hatte erklären lassen, nur schneller und ohne die Umwege. In dieser Nacht war ihm kein einziger Gedanke durch den Kopf gegangen.
Nicht einer.
Jetzt wusste er erschreckend wenig.
Er wusste nicht, was tatsächlich gefährlich war und was nicht. Ob es reichte, was er getan hatte. Ob die kleine Wunde in seiner Wange, die jetzt unter seiner Zunge lag, irgendetwas bedeutete oder nichts. Gerade weil er es nicht wusste, baute sich in seinem Kopf eine Kette zusammen, Glied für Glied, jede Verbindung möglich, keine davon ausgeschlossen. Mund. Zunge. Wunde. Blut. Die Frauen. Das Wochenende. Der Biss, der vielleicht gar kein Biss war.
*Was hast du da gemacht?*
Der Gedanke war nicht tröstlich. Er war aggressiv. Er verfluchte nicht nur die Entscheidung, die beiden Frauen angesprochen zu haben, sondern den Trieb selbst, dieses ständige, ununterbrochene Verlangen, das manchmal so stark wurde, dass alles andere dahinter verschwand. Zahlen, Analysen, Vorsicht, alles. Mit der Angst im Bauch kam es ihm beinahe vor, als habe sein Körper an diesem Abend in Cannes entschieden und sein Kopf nur zugesehen.
*Was, wenn dich genau das das Leben kostete?*
Er starrte auf die Wolken unter dem Flügel. Draußen war es hell und friedlich, und im Bauch saß etwas Kaltes, das sich langsam ausbreitete.
In dieser Nacht schlief Hugo nicht.
Sobald er die Augen schloss, kamen dieselben Bilder zurück: die beiden Frauen, sein Mund, seine Zunge, die Dunkelheit der Suite und das Meer durch die offene Balkontür. Er versuchte, sich einzureden, dass wahrscheinlich nichts passiert war. Dass Tausende Männer so etwas taten. Dass das Risiko gering war.
*Woher willst du das wissen?*
Sein eigener Kopf antwortete ihm sofort, jedes Mal. Es gab keine Zahl, die die Frage beantwortete. Keine Bilanz, keinen Kurs, keine Wahrscheinlichkeit, der er sich anvertrauen konnte. In seinem Berufsleben gab es zu jeder Frage entweder eine Zahl oder die ehrliche Anerkennung, dass es sie nicht gab. Hier gab es beides nicht.
Gegen Morgen war die Angst stärker als während des Fluges. Seine Hände zitterten leicht, wenn er sie auf die Bettdecke legte. Sein Magen war verkrampft und hart. Er stand auf, lief durch die Wohnung, setzte sich an den Küchentisch, stand wieder auf. In Belvedere Court war es still. Die Heizung tickte. Irgendwo in der Wand bewegte sich Wasser in einem Rohr.
Er versuchte zu lesen, einen Geschäftsbericht, den er noch aus Cannes mitgenommen hatte, und nach wenigen Zeilen wusste er nicht mehr, was er gelesen hatte. Die Worte standen da, und er sah ihnen dabei zu, wie sie an ihm vorbeizogen.
Als es hell wurde, suchte er im Telefonbuch nach einer Arztpraxis und rief an. Er bekomm einen Termin für den Vormittag. Nachdem er aufgelegt hatte, blieb Hugo noch einen Moment sitzen und starrte vor sich hin. Die Gedanken drehten sich weiter im Kreis, und ihm wurde klar, dass er so nicht ins Büro fahren konnte. Er brauchte irgendeine Antwort, etwas Greifbares, das ihm sagte, ob seine Angst berechtigt war oder nicht.
Er rief Claire an, sagte, er sei krank und komme nicht. Ihre Stimme am anderen Ende klang besorgt, und er versicherte ihr, es sei nichts Ernstes. Dann legte er auf, zog sich an und fuhr zu dem Arzt.
Während der Fahrt zitterten seine Hände. Er presste sie auf seine Knie und versuchte, ruhig zu atmen. Es half nicht.
Als er schließlich vor dem Arzt saß, war er völlig aufgelöst. Der Arzt war ein Mann Anfang fünfzig mit ruhigen Bewegungen und einer Stimme, die nichts beschönigte. Er hörte sich an, was passiert war, stellte einige Fragen und nahm ihm Blut ab.
„Wann bekomme ich das Ergebnis?", fragte Hugo.
„Rechnen Sie mit zwei bis drei Wochen."
„Und dann weiß ich, ob ich mich angesteckt habe?"
„Nein."
Hugo starrte ihn an. „Was heißt nein?"
„Für das, was vor wenigen Tagen passiert ist, bekommen Sie damit noch keine zuverlässige Aussage."
„Wie lange dauert das?"
„Sechs Monate."
Hugo glaubte, sich verhört zu haben. „Sechs Monate?"
„Ja."
„Und vorher kann man nicht feststellen, ob ich mich angesteckt habe?"
„Nicht zuverlässig."
„Und der Test jetzt?"
„Der zeigt uns nur, ob gegenwärtig Antikörper nachweisbar sind. Für diesen Kontakt gibt Ihnen ein negatives Ergebnis keine Entwarnung."
Hugos Magen zog sich zusammen. „Das heißt, der kann negativ sein und ich habe es trotzdem?"
„Ja."
Sechs Monate. Ein halbes Jahr, in dem er nicht wissen würde, ob in seinem Körper etwas war, das sein ganzes Leben verändern konnte.
„Und wenn ich es habe?"
Der Arzt sah ihn an. „Dann haben Sie HIV."
Für einen Moment verstand Hugo den Satz nur als Worte. HIV. Er kannte das Wort, kannte die Bilder, die Berichte über AIDS, Krankheit und Tod. Aber bis zu diesem Augenblick hatte all das immer andere Menschen betroffen.
Jetzt konnte es ihn betreffen.
Sein Mund wurde trocken. Er schluckte, doch das Gefühl blieb.
„Aber AIDS kann man nicht heilen."
Eine kurze Pause. „Gut, wenn Sie das wissen."
Ein kalter Schauer lief Hugo über den Rücken.
„Haben Sie eine Freundin?"
„Nein."
„Dann reden wir über Ihr Sexualleben, junger Mann." Der Nachdruck saß.
„Haben Sie wechselnde Sexualpartnerinnen?"
Hugo spürte, wie ihm das unangenehm wurde. Er wollte nicht sagen, dass er sich mit Prostituierten traf. „Ich treffe mich mit Frauen."
„Mit mehreren?"
„Ja."
„Dann hören Sie mir jetzt genau zu. Sie sind einundzwanzig. Solange wir nicht wissen, ob Sie sich angesteckt haben, sind Sie eine mögliche Gefahr für jede Frau, mit der Sie schlafen."
Hugo schwieg.
„Wenn Sie Sex haben, sagen Sie es vorher."
„Was?"
„Dass Sie möglicherweise HIV haben."
„Auch mit Kondom?"
„Kondom ist das absolute Minimum."
„Und wenn ich es nicht sagen will?"
„Dann schlafen Sie nicht mit ihr."
„Das kann doch nicht Ihr Ernst sein."
„Doch."
„Und wenn der erste Test negativ ist?"
„Dann bilden Sie sich nicht ein, damit sei die Sache erledigt. Für diesen Kontakt ändert das nichts an den sechs Monaten."
Wut stieg in Hugo auf. „Ich weiß doch gar nicht, ob ich überhaupt etwas habe."
„Genau. Sie wissen es nicht."
Der Arzt sprach jetzt noch schärfer. „Deshalb gehen Sie nicht davon aus, dass alles in Ordnung ist. Sie gehen davon aus, dass Sie andere anstecken könnten."
Hugo sagte nichts. Dann fragte er: „Und wenn es eine Prostituierte ist?"
„Das ist Ihre Entscheidung."
„Was soll das heißen?"
„Dass Sie von mir keine Erlaubnis bekommen, jemanden zu gefährden."
Hugo spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht stieg.
„Ich sage Ihnen das so deutlich, damit Sie beim nächsten Mal vorher nachdenken und nicht hinterher. Sie haben sich durch Ihre Unvorsichtigkeit möglicherweise mit HIV angesteckt. Sorgen Sie dafür, dass Sie niemand anderen anstecken."
„Haben Sie verstanden?"
„Ja."
„Gut."
Damit war das Gespräch beendet.
Hugo ging hinaus und zog die Tür hinter sich zu. Auf dem Flur blieb er stehen. Plötzlich bekam er nicht mehr richtig Luft. Sein Brustkorb fühlte sich an, als würde jemand darauf sitzen. Sein Herz raste, seine Hände zitterten.
Für einen Moment glaubte er, nicht weitergehen zu können.
Dann zwang er sich zur Tür und hinaus auf die Straße.
Was, wenn der Test positiv war?
Mit einundzwanzig.
Das konnte doch nicht sein.
Noch vor wenigen Tagen hatte sein Leben aus Zahlen, Geld, Arbeit und Frauen bestanden. Jetzt wusste er nicht einmal mehr, ob er gesund war. Zwei oder drei Wochen bis zum ersten Ergebnis, und selbst das würde ihm keine Gewissheit geben.
Sechs Monate.
Wut stieg in ihm auf. Auf Cannes, auf die beiden Frauen, auf den Arzt und schließlich auf sich selbst. Andere Männer machten so etwas ständig. Edward und seine Händler erzählten von Frauen, als wäre es das Normalste der Welt.
Aber das half ihm nichts. Er war hingegangen. Er hatte die Frauen angesprochen. Er hatte es gewollt.
Und das Schlimmste war: Er wollte es noch immer.
Die Angst hatte sein Verlangen nicht ausgeschaltet. Gerade das beunruhigte ihn. Was sollte er tun, wenn er morgen wieder eine Frau wollte? Ihr sagen, dass er möglicherweise HIV hatte?
Der Satz des Arztes ging ihm nicht aus dem Kopf.
*Dass Sie von mir keine Erlaubnis bekommen, jemanden zu gefährden.*
Hugo blieb stehen. Er konnte eine Bilanz prüfen, eine Firma auseinandernehmen, einen Kurs absichern und Geld einsetzen, um Risiken zu begrenzen. Hier konnte er nichts davon. Er wusste nicht, was in seinem Körper war, und es gab keine Möglichkeit, sich sofort Gewissheit zu verschaffen.
Ein halbes Jahr.
Hugo spürte Tränen in den Augen und wurde wütend darüber.
„Scheiße."
Eine Frau auf dem Gehweg drehte sich kurz nach ihm um.
Er ging weiter. Die Wut half wenigstens für ein paar Schritte. Doch darunter blieb die eine Frage, die er nicht loswurde.
Die ersten Tage danach vergingen wie durch Nebel. Hugo arbeitete, las Geschäftsberichte, lieferte eine Analyse ab, aber alles geschah auf einer Ebene, während auf einer anderen Ebene ständig ein zweiter Film lief: zwei bis drei Wochen, sechs Monate, der Biss in der Wange, die beiden Frauen aus Cannes. Die Ergebnisse der Blutabnahme musste er noch abwarten. Und sobald er das dachte, wurde sein Magen wieder hart.
Eine Woche nach Monaco saß Hugo wieder mit Edward und dem Kunden zusammen. Diesmal nicht zwischen Yachten, Ferraris und dem Licht des Mittelmeers, sondern in London, im St. James's Club.
Der Club wirkte beinahe wie das Gegenteil von Monaco. Kein demonstrativer Prunk, kein Gold, das einem entgegenschrie, kein Raum, der beweisen musste, was seine Gäste besaßen. Dunkles Holz zog sich über die Wände, dazwischen schwere Ledersessel und niedrige Tische. Gedämpftes Licht fiel auf Messing, Glas und dunkle Stoffe. An der Bar standen hohe Flaschenregale vor Spiegeln; das Licht brach sich darin und ließ die Flaschen beinahe wie eine beleuchtete Wand wirken. Kleine Sitzgruppen lagen voneinander getrennt, sodass Gespräche privat blieben, obwohl der Raum nicht leer war.
Es erinnerte Hugo an eine besonders elegante, zurückhaltende Lounge: ein Ort, an dem man länger blieb, als man ursprünglich vorgehabt hatte. Zigarrenrauch hing in der Luft. Gläser klirrten gelegentlich. Niemand sprach besonders laut.
Und trotzdem hatte Hugo inzwischen verstanden, dass in solchen Räumen wahrscheinlich mehr Geld bewegt wurde als in manchem gläsernen Bankhochhaus.
Der Kunde saß tief in seinem Ledersessel, ein Glas in der Hand. In Monaco hatte Hugo ihn zunächst nicht gemocht. Zu selbstsicher. Zu spöttisch. Ein Mann, der offensichtlich Freude daran hatte, andere merken zu lassen, dass sie etwas nicht wussten.
Doch am Morgen nach dem Abendessen hatte sich etwas verändert.
Der Kunde hatte Hugos Analyse geprüft. Nicht höflich, sondern mit zwei unangenehmen Fragen, bei denen Hugo sofort verstanden hatte, dass es um Millionen ging. Hugo hatte bestanden.
Seitdem behandelte der Mann ihn anders.
Nicht als Edwards jungen Analysten.
Noch nicht ganz als seinesgleichen.
Aber als jemanden, den es sich lohnte ernst zu nehmen.
Hugo ließ den Blick durch den Raum wandern und erkannte zwei Männer wieder, die er wenige Tage zuvor in dem Restaurant in Monaco gesehen hatte. Es überraschte ihn, ihnen ausgerechnet hier erneut zu begegnen.
„Darf ich Sie etwas fragen?"
„Sie fragen sowieso."
Edward grinste.
Hugo ignorierte ihn.
„Warum sehe ich eigentlich ständig dieselben Leute?"
Der Kunde hob eine Augenbraue.
„Wo?"
„Überall."
„Das ist präzise."
„Cannes. Monaco. London. Und Edward erzählt von denselben Leuten in der Schweiz, in Österreich, auf Sardinien. Investmentbanker, Unternehmer, irgendwelche Fondsleute. Man könnte meinen, Europa bestünde nur aus fünfhundert Menschen."
Der Kunde lachte.
„Jetzt kommen Sie langsam dahinter."
„Hinter was?"
Der Mann stellte sein Glas ab.
„Dass Menschen nicht dort leben, wo sie gemeldet sind."
Hugo sah ihn fragend an.
„Natürlich wohnen sie irgendwo", fuhr der Kunde fort. „Sie haben ein Haus in London, Paris, Hamburg, München oder Zürich. Aber das ist nicht dasselbe wie leben."
„Wo leben sie dann?"
„Dort, wo ihre Welt stattfindet."
Hugo wartete.
Der Kunde beugte sich etwas vor.
„Es gibt nur sehr wenige Orte auf der Welt, an denen es sich wirklich lohnt, Milliardär zu sein."
Hugo lachte.
„Das klingt absurd."
„Nein. Es klingt nur absurd, solange man kein Milliardär ist."
Edward grinste in sein Glas.
„Erklär es ihm."
„Nehmen wir irgendein Dorf in Mecklenburg-Vorpommern."
Hugo musste lachen.
„Warum Mecklenburg-Vorpommern?"
„Weil mir gerade Mecklenburg-Vorpommern eingefallen ist. Nehmen Sie irgendein Dorf dort. Sie haben eine Milliarde. Wunderbar. Jetzt kaufen Sie sich einen Ferrari."
Er hob die Hand.
„Und dann?"
Hugo zuckte mit den Schultern.
„Fahren."
„Wohin? Dreimal um den Dorfplatz?"
Edward lachte.
„Sie fahren morgens zum Bäcker, mittags noch einmal am Bäcker vorbei und abends ein drittes Mal, damit auch wirklich jeder gesehen hat, dass Sie einen Ferrari besitzen."
Hugo grinste.
„Der Bäcker wäre beeindruckt."
„Vielleicht. Und am dritten Tag hält er Sie für einen Idioten."
Der Kunde nahm sein Glas wieder.
„Sie kaufen eine hundert Meter lange Jacht. Hervorragend. Nur gibt es dort keinen Hafen dafür. Sie besitzen eine Sammlung großer Weine, aber kein Restaurant im Umkreis von fünfzig Kilometern hat einen Sommelier, der weiß, was Sie da trinken. Sie wollen abends essen gehen und haben die Auswahl zwischen dem Landgasthof und dem Italiener im nächsten Ort."
Der Kunde lächelte.
„Geld erweitert Möglichkeiten. Aber dafür müssen die Möglichkeiten überhaupt vorhanden sein."
Hugo schwieg.
„Oder nehmen Sie England. Irgendein hübsches Dorf irgendwo weit draußen. Sie können dort ein Anwesen mit vierzig Schlafzimmern besitzen. Sehr schön. Sie können Pferde haben, einen See, einen Hubschrauberlandeplatz. Aber wenn Sie Menschen treffen wollen, die dieselben Möglichkeiten haben wie Sie, müssen Sie irgendwann wieder weg."
Hugo verstand langsam.
„Also ziehen die Reichen alle an dieselben Orte."
„Sie ziehen nicht unbedingt dorthin. Sie *leben* dort."
Der Mann nahm einen Schluck.
„Das ist der Unterschied."
Er zählte an den Fingern ab.
„Côte d'Azur. Monaco und Cannes gehören praktisch zu derselben gesellschaftlichen Landschaft. Marbella. Auf Sardinien die Costa Smeralda. Im Winter Courchevel. Kitzbühel. London sowieso. Ascot zu bestimmten Zeiten. Es gibt noch einige andere."
„Und deshalb begegnet man sich immer wieder."
„Natürlich."
Der Kunde tippte mit seinem Glas gegen Hugos.
„Die Kulisse wechselt, aber die Nachbarschaft bleibt."
Hugo ließ den Satz einen Moment wirken.
Plötzlich erschien ihm etwas vollkommen logisch, das ihm vorher künstlich vorgekommen war.
Er hatte geglaubt, diese Menschen würden sich ständig zufällig begegnen.
Aber es war kein Zufall.
Es war Nachbarschaft.
Nur bestand diese Nachbarschaft nicht aus Straßen.
Sie bestand aus Orten.
Wer in Hamburg-Altona wohnte, begegnete den Menschen aus Altona. Man ging zu denselben Bäckern, saß in denselben Restaurants, brachte die Kinder auf ähnliche Schulen, beschwerte sich über dieselben Baustellen und denselben Verkehr. Die eigene Welt entstand daraus, wo man sich bewegte.
Bei diesen Menschen funktionierte es genauso.
Nur war ihr Viertel über Europa verteilt.
Im Mai Cannes.
Im Sommer Sardinien.
Im Winter Courchevel oder Kitzbühel.
Dazwischen London.
Sie lebten gewissermaßen schichtweise an denselben Orten.
Deshalb kannte der Kunde in Monaco den Kellner. Deshalb kannte Edward dort die Restaurants. Deshalb begegneten sich dieselben Investmentbanker, Unternehmer, Vermögenden und Frauen immer wieder.
Hugo spürte dieses besondere Gefühl, das er immer bekam, wenn etwas Kompliziertes plötzlich einfach wurde.
„Also ist das hier eigentlich Altona für Reiche."
Der Kunde brach in Gelächter aus.
Edward schüttelte den Kopf.
„Das ist vermutlich die deutscheste Beschreibung des internationalen Jetsets, die ich jemals gehört habe."
„Aber sie stimmt."
„Leider", sagte der Kunde. „Sie stimmt sogar ziemlich gut."
Er deutete mit dem Glas auf Hugo.
„Und genau deshalb verstehen Außenstehende diese Welt nicht. Sie sehen immer nur einzelne Bilder. Einen alten Mann mit einer jungen Frau in Monaco. Eine Jacht in Sardinien. Einen Banker in Courchevel. Einen Unternehmer in Cannes. Und sie glauben, das seien voneinander unabhängige Dinge."
„Sind sie aber nicht."
„Nein. Es ist dieselbe Gesellschaft, die ihren Aufenthaltsort wechselt."
Hugo sah durch den Raum.
Plötzlich betrachtete er auch die Männer im Club anders.
Der Kunde beobachtete ihn.
„Sehen Sie. Der Junge hat es begriffen. Edward, du hast diesmal tatsächlich einen mit Grips ausgegraben."
„Mit Grips und Mangel an Manieren", sagte Edward. „Er ist in einem spießigen Haushalt aufgewachsen. Dort hält man Beschränktheit für Anstand und Neid für Moral. Das muss erst aus ihm raus."
Hugo sah Edward kalt an.
„Ich bin nicht spießig. Ich bin vorsichtig. Das ist etwas anderes."
„Vorsichtig", sagte der Kunde lachend. „Das ist das Lieblingswort des deutschen Bürgertums. Man wohnt in seinem Reihenhaus, fährt einen vernünftigen Wagen und erklärt jedem, der mehr besitzt, sein Leben sei oberflächlich."
„Vielleicht ist es das manchmal."
„Natürlich. Reiche Menschen können genauso langweilig und dumm sein wie arme. Geld heilt keine Dummheit."
Edward hob sein Glas.
„Darauf trinke ich."
Der Kunde fuhr fort.
„Aber darum geht es nicht. Es geht um die Vorstellung, Verzicht sei automatisch eine moralische Leistung. Man kann sich eine Jacht nicht leisten, also erklärt man Jachten für vulgär. Man kommt nicht nach Monaco, also erklärt man Monaco für dekadent. Man bekommt die junge schöne Frau nicht, also muss mit ihr etwas nicht stimmen."
Hugo dachte an Hamburg. An seinen Vater. An die Küche seiner Eltern. An Sparbücher und die Sicherheit, die Geld dort bedeutet hatte.
„Also erklärt man das Unerreichbare für unanständig."
„Exakt."
Der Kunde hob sein Glas.
Hugo spürte, wie sein Daumen über dessen Rand fuhr. Eine Bewegung, die er von seinem Vater kannte.
Ein Teil von ihm verteidigte diese alte Welt noch immer.
Vielleicht gerade deshalb, weil er sie inzwischen verlassen hatte.
Edward sah ihn an.
„Da ist er wieder."
„Wer?"
„Der Blick."
„Welcher Blick?"
„Der Blick, den du noch immer mit dir herumschleppst. Du siehst eine Jacht, eine Villa oder eine junge Frau neben einem alten Mann und suchst sofort nach einer moralischen Erklärung."
„Bei den Frauen suche ich bestimmt nicht nach Moral."
„Da bin ich mir nicht so sicher", sagte Edward. „In Cannes hattest du noch genug davon."
Hugo sah ihn an.
„Ich habe mich nicht geziert. Ich habe gelernt."
Der Kunde lachte.
„Sehr vernünftig. Die Frauen haben dieses System übrigens wesentlich schneller verstanden als Sie."
„Welches System?"
„Die Nachbarschaft."
Hugo runzelte die Stirn.
Edward lehnte sich zurück.
„Bei den Frauen ist es übrigens genau dasselbe."
Hugo sah ihn an. „Bei welchen Frauen?"
„Bei den Prostituierten."
„Was soll mit denen sein?"
Edward nahm einen Schluck und stellte sein Glas wieder ab.
„Die gehen dorthin, wo das Geld ist. Glaubst du, eine gute Prostituierte aus Tschechien, Polen oder Russland bleibt irgendwo in ihrer Heimat sitzen und wartet darauf, dass zufällig ein reicher Mann vorbeikommt?"
Hugo sagte nichts. Darüber hatte er tatsächlich noch nie nachgedacht.
„Die Cleveren gehen dahin, wo ihre Kunden sind", fuhr Edward fort. „Und wenn sie die Wahl haben, natürlich dahin, wo zusätzlich die Sonne scheint. Cannes. Monaco. Marbella. Sardinien. Im Winter tauchen sie wieder in den entsprechenden Skiorten auf."
Der Kunde nickte. „Das Geld reist. Also reisen die Menschen, die an diesem Geld verdienen wollen, hinterher."
„Im Grunde sind es Wanderhuren", sagte Edward trocken.
Hugo musste lachen.
„Das klingt ziemlich mittelalterlich."
„Ist aber nichts anderes", sagte Edward. „Nur dass sie heute ins Flugzeug steigen."
Hugo dachte an Petra und Lenka in Monaco. Zum ersten Mal kam ihm der Gedanke, dass selbst deren Auftauchen vielleicht weniger zufällig gewesen war, als er angenommen hatte.
„Und deshalb so viele Osteuropäerinnen?"
„Natürlich", sagte Edward. „Gerade aus den kälteren Ländern gehen viele dorthin, wo reiche Männer Urlaub machen und das Wetter besser ist."
Er sah Hugo an und grinste.
„Wobei ich nach Monaco den Eindruck habe, dass wir beide noch etwas gemeinsam haben."
„Was?"
„Den Geschmack bei Frauen."
Hugo verstand, worauf er hinauswollte.
„Die beiden Tschechinnen."
„Genau." Edward hob sein Glas. „Ich mag den slawischen Typ."
Hugo grinste. „Ich offenbar auch."
Edward nahm einen Schluck und sagte: „Die Russen haben im Kalten Krieg sowieso einen schweren strategischen Fehler gemacht."
Hugo sah ihn an. „Welchen?"
„Sie hätten uns nicht mit Raketen drohen sollen. Sie hätten uns ihre Weiber schicken sollen. Dann wären wir heute wahrscheinlich alle Kommunisten."
Für einen Moment war es still.
Dann lachte Edward so laut, dass zwei Männer an einem benachbarten Tisch zu ihnen herübersahen.
Der Kunde hob sein Glas.
„Auf die verpassten Möglichkeiten sowjetischer Außenpolitik."
Sie stießen an.
Hugo lachte mit.
Aber hinter dem Witz arbeitete der Gedanke weiter.
Geld schuf nicht nur Besitz.
Es schuf eine eigene Geografie.
Eine eigene Nachbarschaft.
Und wer genügend Geld besaß, konnte zwischen diesen Orten wechseln, ohne seine gesellschaftliche Welt überhaupt zu verlassen.
Der Kunde stellte sein Glas ab.
„Und jetzt kommen wir zu Ihnen."
Hugo sah ihn an.
„Was ist mit mir?"
„Sie haben verstanden, wie die Welt funktioniert. Zumindest beginnen Sie damit."
Edward verdrehte die Augen.
„Jetzt mach ihn nicht noch eingebildeter."
Der Kunde ignorierte ihn.
„Sie analysieren Unternehmen."
„Ja."
„Sie erkennen, wann etwas zu teuer oder zu billig ist. Sie erkennen Entwicklungen früher als andere. Edward nimmt Ihre Analyse, die Bank macht daraus ein Geschäft und der Kunde verdient damit Geld."
Hugo nickte langsam.
„So ungefähr."
„Und was verdienen Sie?"
„Sehr gut."
„Das habe ich nicht gefragt."
Hugo schwieg.
Der Kunde beugte sich vor.
„Sie bekommen ein Gehalt."
„Und einen Bonus."
„Wunderbar."
Er lächelte.
„Sie verkaufen also ein Produkt."
Hugo runzelte die Stirn.
„Ich analysiere Unternehmen."
„Für eine Bank."
„Ja."
„Damit die Bank daraus ein Produkt oder ein Geschäft machen kann."
„Teilweise."
„Und wem gehört die Entscheidung?"
Hugo antwortete nicht.
„Ihnen?"
„Nein."
„Edward?"
„Auch nicht immer."
„Dem Kunden."
Hugo nickte.
„Natürlich."
„Dann sind Sie, wenn man es brutal formuliert, ein Produktverkäufer."
Das gefiel Hugo überhaupt nicht.
Er spürte sofort Widerstand.
„Ich verkaufe keine Waschmaschinen."
„Nein. Sie verkaufen wesentlich teurere Dinge."
Edward grinste.
„Jetzt wird er böse."
„Ich bin Analyst."
„Das bestreite ich überhaupt nicht", sagte der Kunde. „Im Gegenteil. Sie sind offenbar ein sehr guter Analyst. Genau deshalb verstehe ich nicht, warum Sie sich damit zufriedengeben."
„Womit?"
„Dass andere die Entscheidung treffen."
Der Satz traf Hugo.
Der Kunde deutete auf ihn.
„Sie finden etwas. Sie analysieren es. Sie erklären Edward, warum es funktioniert. Die Bank bringt es zum Kunden. Der Kunde entscheidet. Wenn Sie recht haben, verdient der Kunde ein Vermögen. Die Bank verdient Gebühren. Edward verdient seinen Bonus."
Er machte eine kurze Pause.
„Und Sie bekommen einen besseren Bonus."
Hugo spürte, dass er sich verteidigen wollte.
Doch ihm fiel keine Antwort ein, die nicht genauso klang, wie der Kunde es gerade beschrieben hatte.
Natürlich war die Darstellung abfällig.
Zu einfach.
Eine Investmentbank funktionierte komplizierter.
Aber der Kern störte ihn gerade deshalb, weil er nicht völlig falsch war.
Er dachte.
Andere entschieden.
Andere setzten das große Kapital ein.
Andere nahmen den großen Gewinn.
Er wurde dafür bezahlt, recht zu haben.
Aber er besaß die Entscheidung nicht.
„Was soll ich Ihrer Meinung nach tun?"
Der Kunde lächelte.
„Erst einmal sollten Sie diesen Londoner Provinzbanker loswerden."
Edward hob langsam den Kopf.
„Entschuldigung?"
„Du hast mich schon verstanden."
Edward sah ihn gespielt beleidigt an.
„Mein Eigentum sitzt neben mir."
„Dann behandelst du dein Eigentum schlecht."
Hugo grinste.
Der Kunde wandte sich wieder ihm zu.
„Lösen Sie sich irgendwann von der Bank."
Hugo wollte etwas erwidern, aber der Mann sprach weiter.
„Nicht morgen. Nicht unvorbereitet. Und schon gar nicht ohne Kapital. Aber hören Sie auf, Ihr Ziel darin zu sehen, der bestbezahlte Angestellte im Gebäude zu werden."
Hugo dachte an sein Depot.
An die Unternehmen, die er selbst gekauft hatte.
An das Gefühl, eine Entscheidung zu treffen und niemanden um Erlaubnis fragen zu müssen.
„Und dann?"
Der Kunde nahm sein Glas.
„Dann setzen Sie irgendwann Ihr eigenes Geld auf Ihre eigenen Gedanken."
Er lehnte sich zurück.
„Glauben Sie mir, Voss: *Auf dieser Seite des Tisches macht es erheblich mehr Spaß.*"
Hugo antwortete nicht.
Edward machte irgendeine Bemerkung darüber, dass sein Nachwuchsanalyst jetzt verdorben werde. Der Kunde konterte. Beide lachten.
Hugo hörte nur noch halb zu.
*Auf dieser Seite des Tisches.*
Bis zu diesem Abend hatte Hugo seine Karriere immer vertikal betrachtet.
Analyst.
Mehr Verantwortung.
Mehr Gehalt.
Größerer Bonus.
Vielleicht irgendwann ein eigenes Team.
Immer weiter nach oben.
Der Kunde hatte ihm gerade eine vollkommen andere Richtung gezeigt.
Nicht höher.
*Rüber.*
Auf die andere Seite.
Weg von dem Mann, der analysierte, erklärte und letztlich ein Produkt der Bank mitverkaufte.
Hin zu dem Mann, der entschied.
Der eigenes Kapital einsetzte.
Der selbst bestimmte, ob eine Analyse nur Papier blieb oder zu einer Investition wurde.
Hugo sah zu Edward.
Noch vor wenigen Monaten wäre es ihm absurd erschienen, diesen Mann einen Provinzbanker zu nennen. Edward hatte ihm eine Welt geöffnet, von der Hugo vorher kaum etwas gewusst hatte.
Und jetzt saß er in einem Londoner Club und begriff zum ersten Mal, dass selbst Edward nur auf einer Seite des Tisches saß.
Der Gedanke war unangenehm.
Und gerade deshalb blieb er.
Später würde Hugo nicht mehr genau wissen, welche Whiskys sie an diesem Abend getrunken hatten oder wann sie den Club verlassen hatten.
Aber den Satz vergaß er nicht.
*Auf dieser Seite des Tisches macht es erheblich mehr Spaß.*
Als er später im Taxi durch London fuhr, dachte er noch immer daran.
Noch hatte er nicht vor zu kündigen.
Noch gab es keinen fertigen Plan für eine eigene Firma.
Noch fehlte ihm vor allem eines: genügend eigenes Kapital.
Aber zum ersten Mal dachte Hugo nicht mehr nur darüber nach, *wie weit er innerhalb einer Bank kommen konnte*.
Er fragte sich, warum er überhaupt dort bleiben sollte.
Die Wochen vergingen, und mit ihnen die Erwartung auf das erste Ergebnis. Zwei, drei Wochen hatte der Arzt gesagt. Die zwei Wochen wurden drei, und Hugo bemerkte, dass er die Post am Morgen mit einer Aufmerksamkeit öffnete, die er selbst für beunruhigend hielt. Als der Brief schließlich kam, stand er mit dem Envelope in der Hand eine ganze Minute im Flur, bevor er ihn öffnete.
Negativ.
Hugo las das Wort dreimal. Er atmete aus, und für den Rest des Tages fühlte er sich beinahe leicht. Aber am Abend war der Arzt wieder in seinem Kopf. Ein negatives Ergebnis gab keine Entwarnung. Nicht für Cannes. Nicht für die sechs Monate.
Die Gewissheit, die er gesucht hatte, existierte nicht.
Und die Angst, die das Wochenende in Cannes mitgebracht hatte, blieb. Sie saß nicht mehr ständig obenauf, aber sie war da, jederzeit abrufbar. Manchmal reichte ein Geruch, ein Gedanke, eine Frau am anderen Straßenrand, und sie war wieder ganz da.
Hugo hatte deshalb nach etwas gesucht, das anders war. Etwas, bei dem nicht das geschah, was er im Moment fürchtete. Er war nicht einmal sicher, was genau er suchte. Nur etwas, das funktionierte, ohne dass er eine Frau berühren musste.
An einem Abend wenige Wochen nach dem Gespräch im St. James's Club saß er schließlich in einem Taxi, das durch London fuhr, und je näher das Taxi der Adresse kam, die er auf einen Zettel geschrieben hatte, desto mehr zog sich sein Magen zusammen.
Es war ein anderes Gefühl als die Angst, die ihn seit Cannes begleitete. Die war inzwischen fast immer da, manchmal nur als leiser Druck im Hintergrund, manchmal so stark, dass er an nichts anderes denken konnte. Das hier war Nervosität. Scham vielleicht auch. Vor allem aber Unsicherheit.
Mehrmals dachte er daran, dem Fahrer zu sagen, er solle umdrehen.
Er tat es nicht.
Das Gespräch mit dem Arzt ging ihm noch immer durch den Kopf. Sechs Monate. Ein halbes Jahr, in dem er nicht wissen würde, ob er HIV hatte. Ein halbes Jahr, in dem er nach Ansicht des Arztes jede Frau warnen sollte, bevor er mit ihr schlief.
Das Absurde war, dass die Angst sein Verlangen nicht beseitigt hatte.
Genau das machte ihn zusätzlich wütend auf sich selbst. Er hatte Angst, möglicherweise an einer tödlichen Krankheit erkrankt zu sein, und trotzdem sah er Frauen an. Trotzdem reagierte sein Körper. Trotzdem wollte er Sex.
Er hatte deshalb nach etwas gesucht, das anders war. Etwas, bei dem nicht das geschah, was er im Moment fürchtete.
Als das Taxi noch ein Stück von der Adresse entfernt war, beugte Hugo sich nach vorn.
„Hier reicht."
Der Fahrer sah kurz in den Rückspiegel.
„Hier?"
„Ja."
Hugo bezahlte und stieg aus.
Er wartete, bis das Taxi weitergefahren war. Erst dann setzte er sich in Bewegung.
Eigentlich war es lächerlich. Der Fahrer würde ihn vermutlich in fünf Minuten vergessen haben. Trotzdem wollte Hugo nicht, dass irgendein fremder Mann wusste, vor welchem Haus er ausgestiegen war.
Die letzten Straßen ging er zu Fuß.
Je näher er kam, desto kleiner fühlte sich sein Magen an. Seine Hände waren kalt. Gleichzeitig schwitzte er unter dem Mantel. Einmal blieb er stehen und überlegte ernsthaft, einfach zurückzugehen.
Niemand wusste, dass er hier war.
Niemand erwartete von ihm, dass er klingelte.
Er ging weiter.
Das Haus war von außen völlig unspektakulär. Kein Schild, keine auffällige Beleuchtung, nichts, was verriet, was sich darin befand. Hugo überprüfte die Hausnummer ein zweites Mal.
Dann stand er vor der Klingel.
Sein Finger blieb einen Moment davor.
*Was mache ich hier eigentlich?*
Er drückte.
Ein Summen ertönte.
Hugo öffnete die Haustür und trat hinein.
Ein langer Korridor lag vor ihm. Gedämpftes Licht, dunkler Teppich, mehrere geschlossene Türen. Es roch sauber, ein wenig nach Parfüm und irgendeinem Reinigungsmittel. Gerade diese Normalität irritierte ihn. Er hatte nicht gewusst, was er erwartet hatte, aber bestimmt keinen Flur, der ebenso gut zu einer privaten Wohnung hätte gehören können.
Am Ende öffnete sich eine Tür.
Eine junge Frau trat heraus.
Hugo blieb stehen.
Sie war nackt.
Nicht in Unterwäsche, nicht in einem Morgenmantel. Einfach nackt.
Für einen Augenblick wusste er nicht, wohin er schauen sollte. Sein Blick erfasste sie automatisch, und sofort ärgerte er sich darüber.
Die Frau dagegen verhielt sich, als wäre an der Situation überhaupt nichts ungewöhnlich.
„Ja, bitte?"
Hugo räusperte sich.
„Ich würde gern zu Mistress ..."
Er nannte den Namen, den er aus dem Inserat und dem kurzen Telefonat kannte.
„Ja. Komm rein."
Sie trat zur Seite.
„Folge mir."
Dann drehte sie sich um und ging vor ihm her.
Hugo folgte ihr durch den langen Korridor. Direkt vor ihm bewegten sich ihr nackter Rücken, ihr Po und ihre Beine. Er versuchte zunächst, an ihr vorbeizusehen, dann auf den Boden, dann wieder geradeaus. Alles davon kam ihm gleichermaßen albern vor.
Die Frau schien nicht einmal daran zu denken, dass ihre Nacktheit für ihn ungewöhnlich sein könnte.
Sie öffnete eine Tür.
Dahinter lag ein kleiner Besprechungsraum.
Auch der war anders, als Hugo erwartet hatte. Kein Keller, keine Ketten an den Wänden, keine düstere Kulisse. Der Raum war klein und fast gemütlich. An einer Wand stand ein größerer, auffälliger Stuhl mit hoher Rückenlehne, beinahe wie ein moderner Thron. Davor standen zwei kleinere, niedrigere Sessel. Zwischen ihnen befand sich ein kleiner Tisch. Das Licht war warm und gedämpft.
„Setz dich."
Hugo nahm auf einem der niedrigeren Sessel Platz.
Die nackte Frau blieb vor ihm stehen.
„Möchtest du etwas trinken?"
„Wasser."
„Still oder mit Kohlensäure?"
Hugo sah sie einen Moment an.
Ausgerechnet diese vollkommen alltägliche Frage brachte ihn beinahe zum Lachen.
„Still."
Sie verschwand.
Hugo sah sich um. Der große Stuhl beherrschte den Raum. Er verstand sofort, wer dort sitzen sollte und wer auf den niedrigeren Sesseln Platz nahm.
Die Tür öffnete sich wieder.
Die junge Frau kam mit seinem Wasser zurück. Sie ging vor ihm herunter und stellte das Glas auf den niedrigen Tisch.
Hugo sah für einen Moment ihren Körper unmittelbar vor sich.
Etwas regte sich in ihm.
Und beinahe im selben Augenblick war wieder der Arzt in seinem Kopf.
*Sie sind eine mögliche Gefahr für jede Frau, mit der Sie schlafen.*
Die kurze Erregung verschwand.
„Danke."
Die Frau richtete sich auf.
„Sie kommt gleich."
Dann ging sie.
Hugo nahm das Glas und trank mehrere Schlucke.
Nach einigen Minuten öffnete sich die Tür erneut.
Diesmal kam die Domina herein.
Schwarzer Lack von oben bis unten. Hohe Stiefel. Ihre Erscheinung war so offensichtlich inszeniert, dass Hugo unwillkürlich gerader saß.
Sie setzte sich auf den großen Stuhl.
Damit verstand er endgültig die Anordnung des Raumes.
„Du bist zum ersten Mal hier?"
„Ja."
„Und was möchtest du?"
Hugo verzog den Mund.
„Wenn ich das wüsste, wäre es einfacher."
Sie lächelte leicht.
„Du weißt überhaupt nicht, was du möchtest?"
„Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal genau, was man hier alles machen kann."
Sie begann ihm verschiedene Möglichkeiten zu erklären. Hugo stellte Fragen. Nach einigen Minuten bemerkte er, dass seine Nervosität nachließ. Solange sie miteinander redeten, war es beinahe ein Beratungsgespräch.
Schließlich sagte sie:
„Vielleicht wäre für dich zum Ausprobieren eine Switch-Session sinnvoll."
„Was heißt das?"
Sie erklärte es ihm. Er könne beide Seiten kennenlernen. Einmal die dominante, einmal die passive Rolle. Danach wisse er zumindest, ob ihm eine davon gefiel.
Hugo dachte kurz darüber nach.
„Eigentlich gar nicht schlecht."
„Dann brauche ich allerdings eine zweite Frau."
„Warum?"
Sie erklärte ihm den Ablauf.
Hugo verstand.
„Dann wird es teurer."
„Natürlich. Es sind zwei Personen beteiligt."
Hugo zuckte mit den Schultern.
„Das ist egal."
Sie stand auf.
„Gut. Dann duschst du zuerst."
Sie führte ihn aus dem Besprechungsraum durch den Korridor zu einem Badezimmer.
Der Raum war sauber, aber funktionaler als der Rest. Helle Fliesen bedeckten Boden und Wände. Dusche, Waschbecken, Spiegel. Daneben lagen frische Handtücher und ein Bademantel bereit. In einer Ecke stand ein Wäschekorb.
Sie erklärte ihm, dass er seine Kleidung ablegen, duschen und anschließend den Bademantel anziehen sollte. Wenn er fertig sei, solle er klingeln.
Dann ließ sie ihn allein.
Hugo schloss die Tür.
Er zog die Schuhe aus.
Die Fliesen waren kalt unter seinen nackten Füßen.
Er zog sich aus, legte seine Kleidung zusammen und ging unter die Dusche. Das warme Wasser tat gut. Für einige Minuten konnte er einfach darunterstehen und nichts tun.
Als er fertig war, nahm er eines der Handtücher.
Während er sich abtrocknete, fiel sein Blick auf den Wäschekorb.
Darin lagen bereits benutzte Handtücher.
Hugo hielt inne.
Sofort begann sein Kopf zu arbeiten.
Wer hatte die benutzt?
Was war daran?
Schweiß?
Speichel?
Sperma?
Andere Körperflüssigkeiten?
Sein Magen zog sich zusammen.
Ausgerechnet deshalb war er hier. Weil er Angst vor einer Infektion hatte. Und plötzlich stand er barfuß in einem Badezimmer, das jeden Tag von Männern benutzt wurde, von denen er nichts wusste.
Er sah auf die Fliesen unter seinen Füßen.
Waren die wirklich sauber?
Natürlich waren sie sauber.
Vermutlich.
Dieses Wort genügte inzwischen, um ihn nervös zu machen.
*Vermutlich.*
Er warf sein benutztes Handtuch in den Wäschekorb und bereute es im selben Moment, überhaupt hineingesehen zu haben.
Dann zog er den Bademantel an.
Er klingelte.
Die Domina holte ihn ab und führte ihn in einen anderen Teil des Studios.
Als sie die nächste Tür öffnete, veränderte sich die Atmosphäre.
Das hier war kein Besprechungszimmer.
Der Raum war dunkler. An den Wänden befanden sich verschiedene Vorrichtungen, deren Zweck Hugo teilweise verstand und teilweise lieber nicht erraten wollte. Leder, Metall, Befestigungen, eine gepolsterte Bank. Ein großer Spiegel verstärkte den Eindruck, dass alles in diesem Raum darauf ausgelegt war, gesehen zu werden.
Hugo trat hinein.
Die Domina deutete in den Raum.
„Warte hier."
Dann ging sie.
Hugo stand allein mitten im Zimmer.
Er wusste nicht, wohin mit seinen Händen.
Zuerst ließ er sie neben dem Körper hängen. Das fühlte sich bescheuert an. Dann verschränkte er sie vor dem Bauch. Das fühlte sich noch bescheuerter an. Schließlich versuchte er sie in die Taschen des Bademantels zu stecken, stellte jedoch fest, dass es keine gab, und ließ sie wieder sinken.
Die Domina hatte das noch gesehen.
„Setz dich doch dort hin."
Hugo setzte sich.
Sie ging hinaus.
Er wartete.
Eine Minute.
Vielleicht zwei.
Dann länger.
Hugo betrachtete die Gegenstände an den Wänden.
*Was zum Teufel machte man damit?*
Er sah zur Tür.
Noch immer nichts.
Seine Nervosität begann langsam Ärger zu weichen.
Er hatte keine Ahnung, wie lange eine solche Vorbereitung normalerweise dauerte. Aber seine Zeit lief doch vermutlich bereits.
*Klasse.*
Er sah wieder zur Tür.
*Jetzt werde ich auch noch um die Zeit beschissen.*
Endlich hörte er etwas.
Die Tür öffnete sich.
Die Domina kam herein.
Hinter ihr erschien eine zweite Frau.
Nackt.
An einer Leine.
Hugo richtete sich automatisch auf.
Für einen kurzen Moment reagierte sein Körper auf die nackte Frau. Zwei, vielleicht drei Sekunden.
Dann war es vorbei.
Die Domina führte die Frau in den Raum.
„Runter."
Die Frau kniete sich hin.
„Was sagst du?"
„Ja, Mistress."
Hugo beobachtete sie.
Die Domina gab eine weitere Anweisung.
„Ja, Mistress."
Sie korrigierte die Haltung der Frau. Dann gab sie ihr einen leichten Schlag auf die Pobacke.
„Ja, Mistress."
Hugo versuchte, das ernst zu nehmen.
Wirklich.
Er beobachtete die Frau auf dem Boden. Dann die Domina. Dann wieder die Frau.
Irgendetwas störte ihn. Es überzeugte ihn einfach nicht.
Plötzlich musste er an Lena denken. An Julia. An das, was er inzwischen über Frauen und ihren Körper gelernt hatte. Wie viel Disziplin nötig war, um eine bestimmte Figur zu bekommen und zu halten. Wie viel Verzicht hinter etwas stecken konnte, das für einen Außenstehenden mühelos aussah.
Das war wirklich.
Hier dagegen sollte ihm Leiden gezeigt werden.
Unterwerfung.
Macht.
Härte.
Aber er sah plötzlich nur noch zwei Frauen bei der Arbeit.
Die eine wurde dafür bezahlt, Befehle zu geben.
Die andere wurde dafür bezahlt, sie zu befolgen.
Der Schlag eben hatte kaum etwas bedeutet. Die Antworten kamen an den richtigen Stellen. Die Positionen wechselten auf Kommando.
Es war eine Vorstellung.
Hugo grinste.
Die Domina bemerkte es.
Sie unterbrach sich.
„Ist irgendetwas nicht in Ordnung?"
Hugo schüttelte schnell den Kopf.
„Nein. Nein, alles gut."
Sie musterte ihn.
Dann machte sie weiter.
„Ja, Mistress."
Hugo presste die Lippen zusammen.
*Nicht lachen.*
Die Domina gab die nächste Anweisung.
Hugo sah wieder zu.
Jetzt, da er die Inszenierung einmal erkannt hatte, konnte er sie nicht mehr ungesehen machen.
Keine Erregung.
Nichts.
Das kurze körperliche Aufflackern beim Eintritt der nackten Frau war längst verschwunden.
Er versuchte sogar bewusst, sich auf ihren Körper zu konzentrieren.
Es funktionierte nicht.
Stattdessen sah er Abläufe.
Einsätze.
Rollen.
Eine Dienstleistung.
„Ja, Mistress."
Hugo musste wieder grinsen.
Diesmal sah die Domina ihn sofort an.
Er hob entschuldigend die Hände.
„Tut mir leid."
Sie sagte nichts.
„Wirklich. Es liegt nicht an euch."
Damit machte er es offensichtlich nicht besser.
Sie brach ab.
Hugo wusste in diesem Moment bereits, dass er nicht weitermachen wollte. Er hatte bezahlt. Die restliche Zeit gehörte ihm. Es war ihm egal.
Er zog den Bademantel enger und ging zurück Richtung Badezimmer.
Wieder dieser Korridor.
Wieder die Fliesen.
Und wieder war er barfuß.
Diesmal sah er bewusst nach unten.
Plötzlich stellte er sich vor, irgendein Mann vor ihm hätte hier gestanden. Vielleicht war irgendwo Sperma auf den Boden gekommen. Vielleicht irgendeine andere Körperflüssigkeit. Vielleicht war gewischt worden. Vielleicht auch nicht gründlich genug.
Er wusste, dass sein Kopf inzwischen jedes Risiko vergrößerte.
Aber er konnte es nicht abschalten.
Er zog unwillkürlich die Zehen zusammen und ging schneller.
*Verdammte Scheiße. Genau davor wollte ich doch weg.*
Im Badezimmer schloss er sofort die Tür.
Er zog den Bademantel aus und stellte sich noch einmal kurz unter die Dusche.
Dann trocknete er sich ab und sah wieder den Wäschekorb.
Noch mehr benutzte Handtücher.
Wieder derselbe Ekel.
Er wollte hier raus.
Hugo zog sich hastig an. Socken. Schuhe. Erst als seine Füße wieder in den Schuhen steckten, fühlte er sich etwas wohler.
Er verließ das Studio.
Draußen blieb er stehen und atmete die kühle Luft ein.
Das Experiment hatte ihm zumindest eine Antwort gegeben.
Dominanz, Unterwerfung, diese ganze inszenierte Welt — nichts davon funktionierte für ihn. Sobald er die Mechanik dahinter erkannt hatte, war jede Spannung verschwunden.
Aber deshalb war er nicht hergekommen.
Er hatte eine Lösung gesucht.
Und die hatte er nicht gefunden.
Seine Angst vor HIV war noch da.
Sein Verlangen nach Frauen ebenfalls.
Hugo steckte die Hände in die Manteltaschen und ging los.
Das war das eigentliche Problem.
Er konnte sich vor Körperflüssigkeiten ekeln, vor einem Wäschekorb zurückschrecken und auf Fliesen plötzlich Sperma sehen, das vermutlich überhaupt nicht dort war.
Und trotzdem würde er morgen wieder einer schönen Frau hinterhersehen.
Daran hatte dieser Abend überhaupt nichts geändert.
In den Wochen danach bewahrheitete sich genau das. Hugo verfiel wieder in seinen alten Rhythmus, und jeder Versuch, ihn zu ändern, scheiterte an derselben Stelle.
Schon auf dem Weg dorthin wusste er, weshalb er ging. Er konnte sich einreden, er wolle einen Whisky trinken, nicht allein in seiner Wohnung sitzen oder einfach unter Menschen sein. Aber das war Blödsinn. Er kannte inzwischen diese Abende. Er wusste, welche Frauen dort saßen, und er wusste, dass einige von ihnen nicht zufällig allein an der Bar warteten.
Seit Cannes hatte er sich mehr als einmal vorgenommen, genau das nicht mehr zu tun.
Der Vorsatz hielt nie lange.
Die Angst war da. Manchmal so stark, dass er nachts wach lag und sich fragte, ob in seinem Körper längst etwas begonnen hatte, von dem er noch nichts sehen konnte. Gleichzeitig war der Trieb noch immer da, vollkommen unbeeindruckt von allem, was sein Kopf ihm sagte. Manchmal erschien Hugo gerade das besonders pervers: Er konnte Todesangst haben und wenige Stunden später trotzdem in einer Hotelbar sitzen und Frauen ansehen.
An diesem Abend bemerkte er sie fast sofort.
Sie saß einige Plätze weiter am Tresen, allein, vor sich ein Glas Weißwein. Mitte zwanzig vielleicht. Langes, dunkelblondes Haar fiel ihr in weichen Wellen über die Schultern. Sie war schlank, hatte eine schmale Taille und ein schönes Gesicht, in dem etwas Kühles lag. Nicht traurig, nicht abweisend. Eher dieser schwer zu bestimmende Ausdruck einer Frau, die sich ihrer Wirkung bewusst war und keinen besonderen Grund sah, irgendjemandem entgegenzukommen.
Genau das reizte Hugo.
Sie entsprach seinem Beuteschema ausreichend, dass sein Blick immer wieder zu ihr zurückkehrte: lange Haare, schlanke Figur, ein hübsches Gesicht und diese gewisse Distanz, die ihn neugierig machte.
Er sah weg.
*Geh nach Hause.*
Der Gedanke war vollkommen klar.
Er blieb sitzen.
Einige Minuten später sah sie zu ihm herüber. Hugo erwiderte ihren Blick. Sie hielt ihn einen Moment länger als nötig und wandte sich dann wieder ihrem Glas zu.
Hugo wusste inzwischen, was das bedeutete.
Er nahm sein Glas und ging zu ihr.
Das Gespräch begann belanglos. Ein Getränk, ein paar Sätze über London, eine Bemerkung von ihr über seinen deutschen Akzent. Sie lächelte dabei kaum, und gerade das gefiel ihm. Erst nach einer Weile wurde ihr Gesicht weicher.
Irgendwann war ebenso selbstverständlich geklärt, weshalb sie beide dort saßen.
Als sie aufstand und ihren Mantel nahm, war die Angst wieder da.
Hugo hätte noch immer gehen können.
Allein.
Stattdessen legte er ihr beim Verlassen der Bar kurz die Hand an die Hüfte und ließ sie vor sich durch die Tür gehen. Sie drehte den Kopf ein wenig zu ihm und lächelte.
Draußen warteten die typischen schwarzen Londoner Taxis.
Hugo öffnete ihr die hintere Tür.
Als sie einstieg, legte er seine Hand wieder an ihre Hüfte, diesmal etwas tiefer. Seine Finger glitten für einen kurzen Moment über ihren Po. Sie hielt inne, sah über die Schulter zu ihm zurück und lächelte.
Keine Empörung. Keine Überraschung.
Nur dieses kleine Lächeln.
Und sofort war der Trieb wieder stärker.
Hugo stieg nach ihr ein.
Während der Fahrt saßen sie dicht nebeneinander. Ihr Oberschenkel berührte seinen. Er legte eine Hand auf ihr Knie, und als sie nicht zurückwich, strich er langsam ein Stück darüber. Sie sah ihn an.
Für einige Sekunden war alles leicht.
Dann kam Cannes.
Wie ein verdammter Schalter.
Hugo zog seine Hand nicht weg, aber plötzlich dachte er wieder daran, weshalb er eigentlich keine Frau mehr mitnehmen wollte.
*Was machst du hier?*
Er sah aus dem Fenster auf die vorbeiziehenden Lichter Londons.
Er hätte dem Fahrer sagen können, er solle anhalten. Er hätte ihr das Geld geben und sie nach Hause fahren lassen können.
Tat er aber nicht.
Wenig später standen sie vor dem Belvedere Court.
Hugo bezahlte das Taxi, stieg zuerst aus und hielt ihr die Tür auf. Als sie an ihm vorbeiging, legte er ihr erneut die Hand an die Hüfte. Sie rückte dabei beinahe selbstverständlich etwas näher an ihn.
Das gefiel ihm.
Natürlich gefiel es ihm.
Genau das war das Problem.
Oben öffnete Hugo die Wohnungstür und ließ sie zuerst eintreten.
Sie blieb im Eingangsbereich stehen und sah sich um. Von dort öffnete sich der große Wohnraum mit seiner gerundeten Fensterfront. Die beiden langen Sofas standen sich gegenüber, dazwischen der niedrige Tisch. An der linken Wand befand sich der Kamin.
„Schön", sagte sie.
Hugo nahm ihr den Mantel ab.
Sie ging einige Schritte in den Wohnraum hinein und sah sich weiter um. Hugo folgte ihr mit den Augen. Früher hätte ihm gefallen, dass eine Frau von seiner Wohnung beeindruckt war.
Jetzt bedeutete ihm das alles erstaunlich wenig.
Was nutzte ihm diese Wohnung? Was nutzte ihm das Geld? Was nutzte ihm seine Karriere, wenn er sich in Cannes tatsächlich mit HIV angesteckt hatte?
Er ging zum Kamin und machte Feuer.
Während die ersten Flammen das Holz erfassten, stand sie hinter ihm und betrachtete den Raum.
Hugo richtete sich wieder auf.
„Komm."
Er führte sie durch den schmaleren Flur in den hinteren Teil der Wohnung. Dort lagen Küche, Toilette und Bad.
Vor dem Badezimmer blieb Hugo stehen und öffnete ihr die Tür.
„Ich möchte, dass du vorher duschst."
Sie sah ihn kurz an.
„Okay."
Keine Diskussion.
Sie ging hinein und schloss die Tür.
Hugo blieb noch einen Moment im Flur stehen.
Selbst jetzt.
Es war eigentlich vollkommen absurd.
Er hatte Todesangst, möglicherweise selbst infiziert zu sein, und trotzdem war sein alter Ekel keinen Millimeter kleiner geworden. Die Vorstellung, dass sie an diesem Abend vielleicht bereits bei einem anderen Mann gewesen war, störte ihn. Fremder Schweiß. Fremde Gerüche. Die Vorstellung, dass irgendetwas von einem anderen Mann auf ihrer Haut zurückgeblieben sein könnte.
Cannes hatte daran nichts geändert.
Die Todesangst war einfach noch dazugekommen.
Hugo ging zurück ins Wohnzimmer und setzte sich auf eines der Sofas. Das Feuer hatte inzwischen richtig gefangen.
Aus dem hinteren Teil der Wohnung hörte er das Wasser.
Er sah in die Flammen.
Vielleicht hatte er AIDS.
Der Gedanke kam inzwischen ohne Vorwarnung.
Nicht: *Vielleicht habe ich mich mit HIV infiziert.*
Sein Kopf sprang sofort bis zum Ende.
*Vielleicht habe ich AIDS.* In seinem Kopf gab es nur Cannes und die Bilder schwer an AIDS erkrankter Menschen.
Abgemagerte Körper.
Eingefallene Gesichter.
Menschen, denen man die Krankheit ansah.
Hugo strich sich über sein eigenes Gesicht.
Noch sah er gut aus.
Dieses verdammte *noch*.
Noch war er zweiundzwanzig. Noch sah eine Frau ihn an und sah einen jungen, gut aussehenden Mann. Noch konnte er in einer Hotelbar sitzen und erleben, dass eine attraktive Frau seinen Blick erwiderte.
Aber wie lange noch?
Das Wasser verstummte.
Wenig später kam sie zurück.
Ihre langen Haare waren noch feucht und fielen jetzt schwerer über ihre Schultern. Sie ging durch den Wohnraum auf ihn zu. Im Licht des Kamins wirkte ihr Gesicht weniger kühl als zuvor in der Bar.
Hugo sah sie an.
Und für einige Sekunden dachte er an überhaupt nichts.
Sie setzte sich zu ihm.
Hugo nahm einen ihrer Füße auf seinen Schoß und begann ihn langsam zu massieren. Dann den anderen. Seine Hände wanderten über ihre Beine, ihre Arme, ihre Schultern und ihren Hals.
Er ließ sich Zeit.
Viel Zeit.
Er beobachtete sie dabei genau. Wie sich ihre Haltung veränderte. Wie ihre Atmung tiefer wurde. Wie sie irgendwann die Augen schloss und sich seinen Berührungen überließ.
Wenn seine Hände über ihren Oberkörper glitten, beobachtete er die kleinen körperlichen Reaktionen, das schnellere Heben ihrer Brust und wie sich ihre Brustwarzen aufrichteten.
Es gefiel ihm.
Sehr sogar.
Und genau in einem solchen Augenblick war plötzlich wieder die Angst da.
*Cannes.*
Nur dieses eine Wort.
Für einen Moment wurde aus der Frau vor ihm wieder eine mögliche Gefahr.
Dann sah er ihr Gesicht.
Ihre geschlossenen Augen.
Ihre feuchten Haare.
Und dachte:
*Noch kann ich das.*
Vielleicht nahm er sich gerade deshalb inzwischen so viel Zeit.
Er wollte nicht, dass diese Stunden schnell vorbeigingen.
Er wollte die Nähe einer Frau auskosten. Ihre Wärme spüren. Ihre Haut unter seinen Händen. Ihren Atem hören. Er wollte erleben, wie sie auf ihn reagierte.
Und immer wieder kehrten seine Hände zu ihrem Bauch zurück.
Das war nicht erst seit Cannes so. Schon früher hatte Hugo entdeckt, wie ungewöhnlich stark ihn ein schöner Frauenbauch anzog.
Jetzt bekam sie für ihn jedoch eine zusätzliche Bedeutung.
Der Bauch fühlte sich sicher an.
Keine Schleimhaut. Nichts von dem, was in seinem Kopf inzwischen sofort mit HIV, Herpes, Chlamydien oder irgendeiner anderen Infektion verbunden war.
Hier konnte er einfach berühren.
Er legte seine Hand flach auf ihren Bauch und ließ sie langsam über die warme Haut gleiten. Er beobachtete, wie sich die Bauchdecke mit jedem Atemzug hob und wieder senkte.
Dann küsste er sie dort.
Einmal.
Noch einmal.
Er strich wieder darüber.
Sie reagierte auf seine Berührungen, und Hugo beobachtete aufmerksam, wie sich ihr Atem veränderte und ihr Körper sich ihm entgegenbewegte.
Der Bauch wurde für ihn immer stärker zu etwas Reinem.
Zu einem Teil einer Frau, den er bewundern konnte, ohne dass die Angst jede Berührung zerstörte.
Er konnte sich damit beschäftigen.
Ansehen.
Streicheln.
Küssen.
Und währenddessen für einige Minuten vergessen, was möglicherweise in seinem eigenen Körper vorging.
Doch vollkommen verschwand die Angst nie.
Sie kam in Wellen.
*Vielleicht bin ich infiziert.*
Dann wieder ihre warme Haut unter seiner Hand.
*Noch sehe ich gut aus.*
Ihr Atem.
*Vielleicht sieht man es mir irgendwann an.*
Dann ihr Körper, der auf seine Berührungen reagierte.
Genau dieser Wechsel machte ihn beinahe verrückt.
Angst.
Ekel.
Trieb.
Nähe.
Und immer wieder dieser eine Gedanke:
*Noch.*
Noch lag eine schöne Frau bei ihm und sah keinen Kranken.
Noch begehrte er sie, und noch konnte er erleben, dass sie seine Nähe genoss.
Deshalb wollte Hugo, dass auch sie etwas davon hatte. Er nahm sich Zeit mit ihr, achtete auf ihre Reaktionen und wollte spüren, dass sie sich fallen ließ. Je länger er sich mit ihr beschäftigte, desto länger musste er selbst nicht darüber nachdenken, was morgen sein könnte.
Je länger der Abend dauerte, desto mehr rückte seine Angst für kurze Momente in den Hintergrund. Hugo blieb aufmerksam bei ihr, nahm sich Zeit und genoss vor allem die Nähe und das Gefühl, dass sie sich bei ihm wohlfühlte. Irgendwann musste er nicht mehr darüber nachdenken, was als Nächstes geschah. Die Distanz zwischen ihnen war längst verschwunden.
Als sie schließlich miteinander schliefen, benutzte Hugo ein Kondom.
Selbst in diesem Moment war die Angst nicht völlig fort, aber sie beherrschte ihn für eine Weile nicht mehr.
Danach schickte er sie nicht sofort fort. Sie blieb bei ihm, während das Feuer im Kamin langsam kleiner wurde. Die anfängliche Spannung zwischen ihnen war einer stillen Vertrautheit gewichen.
Hugo lag neben ihr und sah sie an.
Für einige Minuten war es ruhig in seinem Kopf.
Fast friedlich.
Dann kam die Angst zurück.
Warum war er überhaupt wieder in diese verdammte Hotelbar gegangen?
Warum konnte er nicht einfach aufhören?
Am nächsten Morgen würde er sich erneut schwören, keine Frau mehr mitzunehmen.
Manchmal hielt er diesen Vorsatz einige Tage durch.
Dann saß er wieder in einer Hotelbar.
Gelegentlich hoffte er sogar, dort eine Frau wiederzusehen, die er bereits kannte. Nicht nur, weil sie ihm gefallen hatte. Eine bekannte Escort machte ihm inzwischen weniger Angst als eine völlig Fremde. Er kannte ihren Körper, ihre Art, ihren Geruch nach dem Duschen. Er wusste, was ihn erwartete.
Es war seine eigene absurde Rechnung gegen die Angst.
Und jedes Mal glaubte er vorher, diesmal werde die Vernunft gewinnen.
Bis er wieder eine Frau sah, die seinem Beuteschema entsprach.
Dann begann alles von vorn.
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