HANDLUNGSANWEISUNG – KAPITEL 4 UND KAPITEL 5

Verbindliche Grundlage

Diese Seite enthält die verbindlichen Handlungspunkte für Kapitel 4 und Kapitel 5 des Romans Bellaventra.

Vor dem Schreiben muss der jeweils vollständige Kapitelaufbau auf dieser Seite gelesen werden. Auch wenn nur einzelne Punkte ausgeschrieben werden sollen, müssen die vorhergehenden und nachfolgenden Punkte bekannt sein, damit Zusammenhänge erhalten bleiben und späteren Entwicklungen nicht vorgegriffen wird.

Bellaventra.com bleibt der unveränderbare Kanon des Romans. Vor dem Schreiben muss Bellaventra vollständig gelesen werden. Dort sind insbesondere die aktuellen Informationen zu Personen, Beziehungen, Orten, zeitlichen Abläufen, wirtschaftlichen Hintergründen, Leitmotiven und sonstigen festgelegten Tatsachen zu prüfen. Die auf Bellaventra festgelegten Tatsachen dürfen durch diese Handlungsanweisung nicht verändert werden.

Die Seite „Ideen“ auf Bellaventra ist zusätzlich als Arbeitsmaterial heranzuziehen. Dort vorhandene Szenen, Dialoge, Gedanken, Hintergründe, Pointen, Figurenreaktionen, wirtschaftliche Zusammenhänge, sexuelle Zusammenhänge, Ursachen, Folgen und spätere Einlösungen müssen berücksichtigt werden, soweit sie zum jeweiligen Kapitel gehören. Konkrete Dialoge, Pointen, derbe oder ungewöhnliche Formulierungen, Beispiele und Hintergedanken dürfen nicht durch kurze neutrale Zusammenfassungen ersetzt werden.

Die vorhandene Härte der Sprache darf nicht nachträglich gesäubert werden. Wörter wie „Arschloch“, „Wichser“, „Fick dich“, „Scheiße“, „Schwanz“, „Muschi“, „Möse“, „Fotze“, „ficken“ und „gefickt“ dürfen dort stehen, wo sie zur festgelegten Figurenrede, Situation oder Handlung gehören. Aus „ficken“ darf nicht automatisch „Sex haben“ werden. Aus „Muschi“, „Möse“ oder „Fotze“ darf nicht automatisch eine neutrale Umschreibung werden. Aus „Schwanz“ darf nicht „Intimbereich“ oder eine ähnliche Glättung entstehen.

Das bedeutet nicht, diese Wörter wahllos einzubauen. Es bedeutet: Wo eine bestimmte Härte, sexuelle Direktheit oder Wortwahl vorgesehen ist, bleibt sie erhalten.

Vor dem Schreiben müssen außerdem sämtliche auf Konzipra veröffentlichten Roman-Kapitel und Kapitelteile vollständig gelesen werden. Der neue Romantext muss unmittelbar an den vorhandenen Text anschließen. Bereits geschriebene Handlung darf nicht wiederholt oder neu erfunden werden.


KAPITEL 4 – FRANKFURT

4.1 – Verbindliche Fortsetzung

Kapitel 4 schließt unmittelbar an die bereits geschriebenen Kapitel an.

Hugo befindet sich 1992 in Frankfurt. Er ist zu Beginn des Kapitels noch siebzehn Jahre alt. Der Umzug liegt hinter ihm. Seine Familie ist zunächst wieder nach Hamburg gefahren. Jetzt beginnt sein tatsächlicher Einstieg bei der Deutschen Bank.

Kapitel 4 soll einen zusammenhängenden Romanbogen bilden und keine Sammlung voneinander unabhängiger Szenen.


4.2 – Hugo kommt als Siebzehnjähriger als Analyst zur Deutschen Bank

Hugo kommt ausdrücklich als Analyst zur Deutschen Bank.

Er wird nicht als Händler eingestellt und arbeitet nicht im Handelssaal.

Seine Aufgabe besteht darin, Unternehmen zu untersuchen, Geschäftsberichte und andere verfügbare Informationen auszuwerten, Zahlen und wirtschaftliche Zusammenhänge zu prüfen und nach Fehlbewertungen zu suchen.

Er ist erst siebzehn Jahre alt. Schon deshalb betrachten ihn viele Kollegen zunächst nicht wie einen normalen neuen Mitarbeiter.

Einige haben von dem außergewöhnlichen jungen Analysten gehört und wollen wissen, ob an den Geschichten etwas dran ist. Andere halten den Rummel für übertrieben. Wieder andere sehen in ihm zunächst nur einen Jungen, der aufgrund besonderer Umstände Aufmerksamkeit bekommt.

Die Reaktionen sollen unterschiedlich bleiben: Interesse, Skepsis, Spott, Neugier und fachlicher Respekt können nebeneinander existieren.

Hugo selbst kommt nicht als großspuriger Wunderknabe nach Frankfurt. Er weiß, dass er Unternehmen analysieren kann. Gleichzeitig befindet er sich gesellschaftlich und beruflich in einer vollkommen neuen Umgebung.

Sein tatsächlicher Arbeitsplatz befindet sich nicht im Handelssaal. Er bekommt einen Arbeitsplatz, der zu seiner Tätigkeit als Analyst gehört. Dort soll er Unternehmen untersuchen, Analysen erstellen, Unternehmen verwerfen, Berechnungen durchführen und seine Erkenntnisse gegenüber erfahreneren Mitarbeitern begründen.

Der Handelssaal gehört trotzdem zu seinem ersten Eindruck von der Bank. Er wird ihm zu Beginn gezeigt, weil er zu der professionellen Bankenwelt gehört, in die Hugo nun eintritt.


4.3 – Der erste Blick in den Handelssaal: Reizüberlastung und Kontrollstrategie

Hugo wird zu Beginn seiner Tätigkeit einmal in den Handelssaal geführt beziehungsweise bekommt ihn gezeigt.

Der Handelssaal ist nicht Hugos Arbeitsplatz.

Hugo erhält dort keinen eigenen Schreibtisch, kein Handelstelefon und keine Orderzettel. Er führt dort keine Geschäfte aus, gibt keine Orders auf und wird nicht zum Händler ausgebildet.

Die Szene dient dazu, dass Hugo diese für ihn vollkommen neue Welt zum ersten Mal unmittelbar erlebt.

Der erste intensive Eindruck des Handelssaals muss für Hugo körperlich und wahrnehmungsmäßig überwältigend sein.

Telefone klingeln. Mehrere Männer reden gleichzeitig. Kurse und Stückzahlen werden gerufen. Stühle rollen. Menschen laufen durch sein Blickfeld. Auf Bildschirmen verändern sich Zahlen. Telefone werden aufgeknallt. Gespräche beginnen und enden gleichzeitig.

Dazwischen fliegen Beschimpfungen durch den Raum.

Hugo kann für einen Moment nicht sauber trennen, was wichtig ist und was nur Hintergrund ist.

Die SOR wird dabei nicht diagnostisch erklärt. Der Leser erlebt die Situation aus Hugos Wahrnehmung.

Hugo versucht zunächst, alles gleichzeitig aufzunehmen: die Stimmen, die Zahlen, die Bewegungen, die Bildschirme und die Gespräche der Händler.

Das funktioniert nicht.

Schließlich konzentriert er sich auf einen einzigen festen Reiz – etwa eine bestimmte Stimme, einen einzelnen Bildschirm oder einen bestimmten Arbeitsvorgang eines Händlers. Dadurch beginnt sich das Chaos für ihn wieder zu ordnen.

Für die anderen kann es lediglich so aussehen, als sei der junge Mann vom ersten Eindruck des Handelssaals überwältigt.

Diese Wahrnehmungsstrategie darf später beiläufig wieder auftauchen, wenn Hugo erneut mit einer Vielzahl gleichzeitiger Reize konfrontiert wird.

Nachdem Hugo den Handelssaal gesehen und diesen ersten Eindruck verarbeitet hat, verlässt er ihn wieder und kehrt zu seinem eigentlichen Arbeitsbereich als Analyst zurück.

Damit muss für die gesamte weitere Handlung klar bleiben:

Hugo beobachtet den Handel. Er ist aber kein Händler.

Seine späteren beruflichen Erfolge entstehen aus seinen Analysen, nicht daraus, dass er selbst Aktien im Handelssaal kauft oder verkauft.


4.4 – Der Handelssaal muss sprachlich wirklich hart sein

Der Handelssaal darf nicht wie ein heutiges höfliches Großraumbüro klingen.

Die Händler sind hochprofessionell und bewegen große Geldbeträge. Gleichzeitig reden manche von ihnen miteinander wie eine Horde Halbstarker.

Der Ton darf deshalb ausdrücklich Wörter enthalten wie:

„Arschloch“
„Wichser“
„Fick dich“
„Scheiße“
„Schwanz“
„Muschi“
„ficken“

Auch „Möse“ darf dort oder in späteren Männergesprächen vorkommen, wenn es zur jeweiligen Figurenstimme passt.

Ein Händler kann gerade hochkonzentriert ein Geschäft abwickeln, anschließend seinen Kollegen als „Wichser“ beschimpfen, der andere antwortet mit „Fick dich“, und wenige Sekunden später diskutieren dieselben Männer wieder vollkommen professionell über Kurs, Limit und Stückzahl.

Gerade dieser Gegensatz ist entscheidend.

Hugo erlebt diese Sprache zunächst als Beobachter des Handelssaals, nicht als einer der dort arbeitenden Händler.

Er hatte erwartet, bei hochbezahlten Bankern auf eine entsprechend förmliche Sprache zu treffen. Stattdessen erkennt er, dass fachliche Professionalität und extreme Vulgarität bei diesen Männern gleichzeitig existieren können.

Das soll ihn zunächst irritieren.

Er darf diese Sprache nicht schon am ersten Tag vollständig übernehmen.


4.5 – Hugos 18. Geburtstag: fünf bis sechs Tage nach Arbeitsbeginn

Hugo beginnt seine Arbeit in Frankfurt noch als Siebzehnjähriger.

Sein achtzehnter Geburtstag liegt jedoch unmittelbar danach. Zwischen seinem ersten Arbeitstag und seinem Geburtstag vergehen nur ungefähr fünf bis sechs Tage.

Bis dahin hat Hugo bereits den ersten Eindruck der Bank und des Handelssaals bekommen. Er hat aber noch keine längere berufliche Entwicklung hinter sich.

Vor seinem Geburtstag dürfen keine Wochen vergehen.

Zu seinem achtzehnten Geburtstag kommen Elisabeth, sein Vater und Svenja wieder nach Frankfurt.

Der Besuch ist nicht spontan. Die Familie weiß bereits bei Hugos Umzug und Arbeitsbeginn, dass sein Geburtstag nur wenige Tage später bevorsteht, und plant deshalb, erneut nach Frankfurt zu kommen.

Elisabeth kennt Hugos Wohnung bereits von der Ankunft und dem Abschied. Für den Vater kann es nach den vorherigen Auseinandersetzungen einer der ersten wirklichen Eindrücke davon sein, wie Hugo inzwischen in Frankfurt lebt.

Hugo möchte seine Familie erstmals selbst einladen.

Besonders die Szene in Jimmy’s Bar soll zeigen, dass Hugo nun eigenes Geld verdient und seinem Vater sinngemäß sagt:

„Jetzt bin ich achtzehn. Heute lade ich dich ein.“

Der Moment soll nicht sentimental überhöht werden.

Gerade die kleine Geste zeigt dem Vater, dass Hugo nicht mehr der Junge ist, der lediglich mit Aktien herumexperimentiert.

Der Geburtstag bildet zugleich eine klare zeitliche Grenze:

Alles, was anschließend über mehrere Wochen läuft, geschieht mit Hugo als Achtzehnjährigem.


4.6 – Hugo erkennt, dass seine bisherige Aktienlogik für eine Großbank nicht genügt

Hugo arbeitet zunächst ähnlich wie bisher mit seinem privaten Depot.

Er sucht nach Unternehmen, deren tatsächlicher Wert seiner Meinung nach deutlich über dem Börsenkurs liegt.

Das Problem: Für eine Großbank reicht eine interessante Fehlbewertung allein nicht.

Ein erfahrener Mitarbeiter muss Hugo erklären, dass die Bank Positionen in ganz anderen Größenordnungen benötigt.

Wenn Hugo eine hervorragende Aktie findet, von der aber kaum Stücke gehandelt werden, kann die Bank keine ausreichend große Position aufbauen.

Selbst eine Verdoppelung kann für eine Großbank uninteressant sein, wenn lediglich ein kleiner Betrag investiert werden kann.

Der bereits entwickelte Gedanke über hunderttausend Mark Gewinn gegenüber einer Position in Millionenhöhe muss erhalten bleiben.

Hugo lernt daraus:

Nicht nur Fehlbewertung zählt.

Zusätzlich zählen:

Größe des Unternehmens, Handelsvolumen, verfügbare Stückzahl, mögliche Positionsgröße und die Frage, ob sich Hugos Erkenntnis für eine Institution überhaupt skalieren lässt.

Damit verändert sich seine Analyse.


4.7 – Hugo darf nicht sofort wieder recht haben

Aus dieser Erkenntnis darf nicht unmittelbar am nächsten Tag sein großer Treffer entstehen.

Hugo sucht.

Er verwirft Unternehmen.

Er rechnet.

Er findet interessante Aktien, die für die Bank aber zu klein sind.

Erst ab diesem Punkt dürfen Wochen vergehen. Hugo ist inzwischen achtzehn Jahre alt.

Dadurch wächst bei einigen Kollegen die Skepsis.

Der berühmte junge Analyst ist da – aber zunächst bringt er der Bank eben noch nicht den großen Treffer.

Hugo lässt sich trotzdem nicht dazu treiben, irgendeine mittelmäßige Empfehlung abzugeben, nur damit etwas von ihm auf dem Tisch liegt.

Das gehört zu seinem Charakter.


4.8 – Hugos Privatdepot läuft parallel weiter

Die kleineren Unternehmen, die für die Bank uninteressant sind, können für Hugo privat weiterhin interessant sein.

Das muss ausdrücklich erhalten bleiben.

Hugo besitzt also zwei unterschiedliche Ebenen:

Beruflich sucht er zunehmend nach Fehlbewertungen, die in Bankdimensionen funktionieren.

Privat kann er weiterhin kleinere Positionen eingehen.

Auch sein Gehalt und spätere Bonuszahlungen fließen teilweise in sein eigenes Vermögen.

Diese private Vermögensentwicklung darf während Frankfurt nicht einfach verschwinden, weil sie später für Hugos wirtschaftlichen Aufstieg entscheidend ist.

Dabei müssen die damals tatsächlich geltenden Regeln für Eigengeschäfte von Bankmitarbeitern später sachlich überprüft werden.

Bellaventra hält ebenfalls ausdrücklich fest, dass Hugo während seiner Tätigkeit für die Deutsche Bank privat weiter handelt und die Bank deshalb seine Depots, Gewinne und Verluste kennt.


4.9 – Hugo verdient mehr, lebt aber weiterhin wie Hugo

Mit dem Einkommen verändert sich sein Konsum zunächst kaum.

Hugo kann sich längst besseres Essen leisten und lebt trotzdem mit einfachen Mahlzeiten und Tütensuppe.

Für ihn ist das keine Selbstkasteiung.

Er denkt in Zinseszins.

Geld, das heute nicht sinnlos ausgegeben wird, arbeitet später weiter.

Das kann von anderen Figuren belächelt werden.

Gerade Svenja oder Michael können den Widerspruch erkennen:

Hugo arbeitet bei einer großen Bank, verdient ordentlich, verfügt über ein wachsendes Privatvermögen – und sitzt trotzdem mit einer Tütensuppe in seiner Wohnung.

Der Humor entsteht aus Hugos völliger Selbstverständlichkeit dabei.


4.10 – Elisabeth bleibt ständig präsent

Elisabeth lässt ihren Sohn emotional nicht einfach in Frankfurt verschwinden.

Sie besucht ihn regelmäßig, besonders an Wochenenden.

Zusätzlich telefonieren die beiden nahezu täglich.

Sie fragt nach Essen, Schlaf, Wohnung, Kleidung und Arbeit.

Hugo möchte selbstständig sein und kann von dieser Fürsorge gleichzeitig genervt sein und sie genießen.

Elisabeth räumt auf, kümmert sich um seine Wäsche und behandelt ihn teilweise weiterhin wie ihren kleinen Jungen.

Das ist keine vorübergehende Randerscheinung. Ihre enge Bindung muss während der gesamten Frankfurt-Zeit sichtbar bleiben.

Bellaventra legt ausdrücklich fest, dass Elisabeth Hugo praktisch jedes Wochenende besucht, seine Wohnung aufräumt, seine Wäsche macht und sich um ihn kümmert. Gleichzeitig werden diese Wochenenden für Elisabeth selbst zu einem Rückzugsraum von ihrer Ehe.

Die spätere Ablösung Hugos von Elisabeth muss deshalb schrittweise erfolgen.


4.11 – Svenja besucht Hugo und erfindet das Kleiderbügel-System

Svenja besucht Hugo in Frankfurt.

Dabei wird sichtbar, dass Hugo zwar komplizierte Unternehmenszahlen beherrscht, aber alltägliche organisatorische Dinge nicht unbedingt genauso selbstverständlich löst.

Svenja entwickelt für seine Kleidung ein einfaches System mit nummerierten Kleiderbügeln beziehungsweise einer festen Zuordnung.

Aus einer alltäglichen Geschwisterszene entsteht damit eine Methode, die Hugo tatsächlich übernimmt.

Die Szene soll gleichzeitig die Beziehung zwischen beiden zeigen.

Svenja darf Hugo aufziehen. Hugo darf sich verteidigen. Beide kennen sich gut genug, dass der Dialog schnell und selbstverständlich funktioniert.

Das Kleiderbügel-System ist keine bedeutungslose Pointe. Es zeigt bereits Hugos Neigung, auch Alltagsprobleme durch Systeme, Kategorien und feste Abläufe zu lösen.


4.12 – Svenjas Schwangerschaft und ihre unglückliche Ehe gehören in dieselbe Besuchsszene

Während dieses Besuchs soll nicht nur Humor entstehen.

Svenja ist schwanger.

Gleichzeitig wird sichtbar, dass ihre Ehe nicht glücklich ist.

Das darf nicht als plötzlich eingeschobener Informationsblock behandelt werden. Es soll sich natürlich aus dem Gespräch zwischen den Geschwistern entwickeln.

Der festgelegte Satz bleibt erhalten:

„Mama hat gesagt, ich soll mich nicht so anstellen. Dreißig Jahre gehen schnell vorbei.“

Der Satz darf gleichzeitig komisch und traurig wirken.

Hugo erlebt dadurch, dass seine Schwester, die ihm gegenüber häufig souverän und fürsorglich erscheint, selbst in einer Lebenssituation steckt, die sie nicht einfach lösen kann.


4.13 – Michael kommt nach Frankfurt

Michael besucht Hugo in Frankfurt.

Dadurch trifft Hugos Hamburger Vergangenheit unmittelbar auf seine neue Frankfurter Welt.

Michael besitzt eine soziale Selbstverständlichkeit, die Hugo besonders gegenüber Frauen fehlt.

Das kann in gemeinsamen Situationen sichtbar werden, ohne dass Michael zu einer Karikatur des Frauenhelden gemacht wird.

Hugo beobachtet Michael und versucht teilweise, soziale Zusammenhänge genauso zu verstehen wie wirtschaftliche.

Dabei darf auch Hugos merkwürdig direkte Art sichtbar werden.

Er kann beispielsweise Fragen stellen, die für ihn logisch sind, für andere Menschen aber ungewöhnlich direkt wirken – bis hin zu Fragen nach Einkommen, Beziehungen oder anderen persönlichen Dingen.

Michael kennt Hugo lange genug, um davon nicht jedes Mal überrascht zu sein.

Mit diesem Punkt endet der Handlungsbogen von Kapitel 4.


KAPITEL 5 – FRANKFURT, ZWEITER TEIL

5.0 – Verbindliche Grundlage

Kapitel 5 setzt unmittelbar die Frankfurter Entwicklung fort.

Alle Festlegungen zu Figurenrede, Härte der Sprache, vollständiger Erhaltung des Materials, Ursache-Wirkungs-Ketten und späteren Einlösungen gelten unverändert weiter.

Kapitel 5 muss ebenfalls als zusammenhängendes Roman-Kapitel funktionieren und darf nicht zu einer Aneinanderreihung einzelner Ideen werden.


5.1 – Die junge Bankerin: ein einziger zusammenhängender Handlungsstrang

Die Geschichte mit der jungen Bankerin darf nicht in voneinander unabhängige Einzelideen zerlegt werden.

Kennenlernen, gegenseitige Wahrnehmung, Essen, Autofahrt, Wohnung, Kuss und Hugos anschließende Analyse ihres Verhaltens gehören zu einem einzigen fortlaufenden Handlungsstrang.

Die Begegnung ist wichtig, weil Hugo beginnt, seine gewohnte analytische Denkweise auf Beziehungen und Frauen zu übertragen.

Dabei soll gerade sichtbar werden, dass diese Methode dort nicht so zuverlässig funktioniert wie bei Unternehmenszahlen.


5.2 – Abendessen: Ursprung von Hugos Faszination für einen flachen Frauenbauch

Beim gemeinsamen Essen beziehungsweise während der Begegnung mit der Bankerin fällt Hugo ihr Bauch auf.

Daraus entsteht ein Motiv, das für sein späteres Frauenbild wichtig wird.

Der flache, trainierte beziehungsweise disziplinierte Frauenbauch wird für Hugo nicht lediglich ein körperliches Merkmal.

Er verbindet ihn zunehmend mit Selbstdisziplin, Kontrolle und der bewussten Gestaltung des eigenen Körpers.

Dieses Motiv wird später für Hugo so wichtig, dass Bellaventra es sogar mit seinem Firmensymbol verbindet. Dort lautet seine persönliche Überzeugung:

„Das Gesicht einer schönen Frau ist ein Geschenk Gottes. Ihren Bauch formt sie selbst.“

In Kapitel 5 befindet sich jedoch der frühe persönliche Ursprung dieser späteren Vorstellung. Die spätere Bedeutung darf deshalb noch nicht vollständig erklärt oder vorweggenommen werden.


5.3 – Der dunkelblaue BMW gehört fest in die Bankerin-Szene

Hugo besitzt nach seinem achtzehnten Geburtstag den gebrauchten dunkelblauen BMW 320i E36, den er von seinem Vater bekommen hat.

Das Auto muss in die Handlung mit der Bankerin eingebunden werden.

Es ist kein Luxuswagen eines bereits reichen Großinvestors, sondern das Auto eines sehr jungen Mannes, der gerade erst beginnt, beruflich erfolgreich zu werden.

Der BMW gehört damit auch zu Hugos Übergang zwischen Jugend und Erwachsenenleben.


5.4 – Nach dem Essen fährt Hugo mit ihr zu ihrer Wohnung

Nach dem Essen fährt Hugo mit der jungen Bankerin zu ihrer Wohnung.

Die Situation soll nicht künstlich sexualisiert oder übererklärt werden. Gerade Hugos Unsicherheit und seine Schwierigkeit, Signale richtig zu interpretieren, tragen die Szene.

Wenn sie ihn auf einen Kaffee einlädt, antwortet Hugo:

„Ich trinke keinen Kaffee.“

Der Satz muss als Hugos tatsächliche Reaktion funktionieren.

Er versteht die soziale beziehungsweise sexuelle Bedeutung der Einladung nicht automatisch.


5.5 – In ihrer Wohnung kommt der Kuss

In der Wohnung entwickelt sich die Situation weiter.

Hugo versucht nicht plötzlich, sich wie ein erfahrener Verführer zu verhalten.

Die festgelegte direkte Form bleibt erhalten:

„Ich hätte gerne einen Kuss von dir.“

Ihre Antwort:

„Nein.“

Diese Ablehnung darf nicht nachträglich abgeschwächt oder in eine andere Reaktion verwandelt werden.

Gerade die Situation ist wichtig für Hugos weitere Gedanken.


5.6 – Danach versucht Hugo wieder, eine Frau wie eine Aktie zu analysieren

Nach der Begegnung versucht Hugo zu verstehen, was passiert ist.

Er analysiert Aussagen, Verhalten und mögliche Ursachen.

Dabei überträgt er seine gewohnte Methode aus der Unternehmensanalyse auf einen Menschen.

Das muss zugleich nachvollziehbar und komisch wirken.

Die entscheidende Reaktion darauf lautet:

„Hugo, Frauen sind keine Aktien.“

Der Satz trifft einen zentralen Charakterzug.

Hugo sucht nach Mustern, Zusammenhängen und Regeln – auch dort, wo Menschen sich nicht wie Bilanzen verhalten.


5.7 – Hugos erster großer professioneller Treffer

Erst jetzt kommt der erste wirklich große berufliche Erfolg.

Die vorherige Entwicklung aus Kapitel 4 muss sich auszahlen.

Hugo hat gelernt, dass eine Fehlbewertung für die Deutsche Bank nicht nur richtig erkannt werden muss, sondern auch groß und liquide genug sein muss, damit die Bank daraus eine relevante Position machen kann.

Er findet schließlich eine entsprechende Gelegenheit.

Wichtig:

Hugo führt das Geschäft nicht selbst als Händler aus.

Seine Leistung besteht in der Analyse.

Er findet die Fehlbewertung, begründet seine Einschätzung und muss sie gegenüber erfahrenen Mitarbeitern verteidigen.

Die Bank handelt aufgrund seiner Analyse.

Erst das Ergebnis zeigt, dass seine Methode auch unter professionellen Bedingungen und mit wesentlich größeren Summen funktionieren kann.

Damit verändert sich seine Stellung innerhalb der Bank.


5.8 – Der erfolgreiche Deal ist der Anlass für den Männerabend

Der anschließende Männerabend findet nicht wegen Hugos Geburtstag statt.

Der Anlass ist sein erster großer professioneller Erfolg.

Die älteren Banker beziehungsweise Kollegen nehmen ihn mit.

Damit betritt Hugo eine zweite Seite der Frankfurter Bankenwelt.

Am Arbeitsplatz hat er erlebt, wie diese Männer über Unternehmen, Kurse und Millionen sprechen.

Jetzt erlebt er, wie dieselben Männer privat miteinander umgehen.

Der Ton wird noch derber.

Gerade dieser Gegensatz gehört zur Handlung.


5.9 – Taxifahrt: „Samenschleuder“, Alimente und die Kondom-Geschichte

Die Taxifahrt gehört fest in diesen Männerabend.

Die Unterhaltung darf ausdrücklich vulgär, sexuell direkt und geschmacklos sein.

Der Ausdruck „Samenschleuder“ bleibt erhalten.

Ebenso gehört das Gespräch über Kinder beziehungsweise Alimente in diesen Zusammenhang.

Die Geschichte mit dem Kondom bleibt ebenfalls erhalten.

Dabei fällt ausdrücklich die Formulierung:

„die Fotze“

und die Anweisung:

„Das Kondom bringst du immer selber weg.“

Die Szene darf nicht nachträglich in höfliche oder neutrale Sprache übersetzt werden.

Am folgenden Tag lautet die Konsequenz:

„Am nächsten Tag vereinbart er einen Termin.“

Dieser Punkt soll nicht mit einer nachträglichen moralischen oder medizinischen Erklärung zerredet werden. Die Handlung beziehungsweise Hugos Reaktion trägt die Bedeutung.


5.10 – Die zwei Formen des Erwachsenwerdens bewusst gegeneinanderstellen

Kapitel 4 und Kapitel 5 zeigen zwei sehr unterschiedliche Schritte in Hugos Erwachsenwerden.

Auf der einen Seite steht sein achtzehnter Geburtstag mit Elisabeth, seinem Vater und Svenja.

Familie, Wohnung, gemeinsames Essen und die kleine Geste, dass Hugo seinen Vater erstmals selbst einladen möchte.

Auf der anderen Seite steht der spätere Männerabend nach seinem beruflichen Erfolg.

Banker, Geld, derbe Gespräche, Sexualität und eine Erwachsenenwelt, die mit seiner bisherigen familiären Welt kaum etwas gemeinsam hat.

Diese beiden Ebenen sollen bewusst miteinander kontrastieren.


5.11 – Hayek, Kommunismus und die zynische Männerlogik der Banker

In die Gespräche der Banker gehören nicht nur Sex und Beleidigungen.

Diese Männer diskutieren gleichzeitig Wirtschaft, Politik, Märkte und Ideologien.

Der Bezug zu Friedrich August von Hayek und zum Kommunismus gehört deshalb in die Szene beziehungsweise in diesen Frankfurter Männerkosmos.

Der Witz entsteht gerade daraus, dass anspruchsvolle wirtschaftliche oder politische Überlegungen unmittelbar neben vulgärer Sprache stehen können.

Die Banker dürfen intelligente Gedanken äußern und sich wenige Sekunden später wieder wie Halbstarke beschimpfen.

Die dafür bereits festgelegten derben Formulierungen dürfen nicht geglättet oder in akademische Bürosprache übersetzt werden.


5.12 – Die festgelegten Pointen bleiben erhalten

Bereits entwickelte Pointen dürfen bei der späteren Romanfassung nicht verloren gehen.

Dazu gehört:

„Der Zweite ist am Ende nur der Erste, der verloren hat.“

Ebenso bleibt der bereits entwickelte Witz beziehungsweise Dialog über die zweite Million erhalten.

Solche Pointen sind nicht bloß Informationsmaterial. Sie gehören zur Figurenstimme und zum Ton der Frankfurter Bankenwelt und müssen deshalb in der passenden Szene tatsächlich verwendet werden.


5.13 – Hugo übernimmt Frankfurt nicht vollständig

Hugo verändert sich in Frankfurt.

Er übernimmt aber nicht innerhalb weniger Wochen sämtliche Verhaltensweisen seiner älteren Kollegen.

Er hört ihre Sprache.

Er versteht ihren Humor zunehmend.

Er übernimmt einzelne Formulierungen.

Er wird selbstbewusster.

Aber er bleibt Hugo.

Seine Unsicherheit gegenüber Frauen verschwindet nicht plötzlich.

Seine Bindung an Elisabeth verschwindet nicht.

Seine ungewöhnlichen Denkweisen verschwinden nicht.

Sein sparsamer Umgang mit privatem Geld verschwindet ebenfalls nicht.

Die Veränderung muss schrittweise erfolgen.


5.14 – Frankfurt als erste wirkliche Ablösung von Elisabeth und Hamburg

Frankfurt ist Hugos erste wirkliche Ablösung von seinem bisherigen Leben.

Elisabeth bleibt sehr präsent und besucht ihn weiterhin regelmäßig.

Gerade deshalb muss die Ablösung langsam sichtbar werden.

Hugo besitzt erstmals eine eigene Wohnung.

Er verdient eigenes Geld.

Er trifft berufliche Entscheidungen ohne seine Familie.

Er lernt neue Menschen kennen.

Er macht erste Erfahrungen mit Frauen.

Er wird innerhalb einer professionellen Bankenwelt ernst genommen.

Hamburg und Elisabeth bleiben emotional wichtig, sind aber nicht mehr der Mittelpunkt jedes einzelnen Tages.

Dieser Prozess darf nicht als plötzlicher Bruch erzählt werden.


5.15 – London erst vorbereiten, nicht vorwegnehmen

Am Ende von Kapitel 5 darf sichtbar werden, dass Hugos Möglichkeiten größer werden.

Frankfurt hat gezeigt, dass seine Fähigkeiten nicht nur mit seinem kleinen privaten Depot funktionieren.

Er kann Analysen erstellen, die auch unter professionellen Bedingungen relevant sind.

Seine berufliche Umgebung beginnt ihn ernst zu nehmen.

Seine ursprüngliche Faszination für die internationale Finanzwelt darf wieder anklingen.

London selbst gehört aber noch nicht in dieses Kapitel.

Die tatsächliche London-Handlung beginnt erst im folgenden Kapitel.

Kapitel 5 endet damit, dass Frankfurt aus Hugo einen ernst genommenen professionellen Analysten gemacht hat.

Noch nicht den späteren Großinvestor.

Noch nicht den späteren Bellaventra-Hugo.

Aber einen jungen Mann, der erstmals bewiesen hat, dass seine Fähigkeiten auch unter professionellen Bedingungen funktionieren.

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